Full text: Volume (Bd. 1 (1830))

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cip, daß der Käufer nicht Sache und Kaufgeld zugleich
nutzen darf, regulirt er sich von selbst. Oder das Kauf-
geld war noch nicht ausdrücklich creditirt; dieser Fall konnte
Bedenken erregen, weil hier die possessio des Käufers
nur eine praecaria war, welche jeden Augenblick nach dem
Willen des Verkäufers wieder aufgehoben werden durste;
allein auch in diesem Falle soll das angegebene Princip dem
Richter zur Norm dienen.
Es ergiebt sich hieraus zugleich, baß auch nach römi-
schem Rechte in dem Falle, wenn das Kaufgeld creditirt
war (si venditor fidem emtoris secutus fuerit), das ur-
sprüngliche Rechtsverhältnis! bestehen blieb, und keine No-
vation angenommen ward. Daher forderte der Verkäufer
das creditirte Kaufgeld nebst den Zinsen actione venditi,
welche als bonae fidei judicium zugleich auf die Zinsen
ging, keinesweges aber mit der condictio ex mutuo. Gleich-
zeitig entdecken wir hierin die Quelle der Bestimmung des
§. 866. Tit. 11. LH. I. des A. L- R-, daß. jede rückstän-
dige Zahlung aus der Natur des ursprünglichen Geschäfts
beurtheilt werden solle.
Unter den Lehrern des gemeinen Rechts war die Ent-
scheidung der Frage, ob der Verkäufer auch ohne vorher«
gegangene besondere Stipulation von dem creditirten Kauf«
gelde Zinsen zu fordern berechtigt sei, nicht streitig 6);
Thibaut, Pandecten - System §§. 279. 858.
Brunnemann, comment. in pand. ad lib. XIX. tit. 1.
No. 65.
Stryck, usus mod. Pand. XXII. tit. 1. §. 9.
6) Bergt. Walch. introductio in controversias juris civilis,
3te Auflage., S. 603 und 604.; Weber über die Gründe der Ver-
bindlichkeit, Zinsen zu zahlen, -in seinen Versuchen über daS Civilrecht,
No. III.; Günther, principia juris romani privati. T. II. §. 962.;
Glück, Erläuterung der Pandecten, Th. XVI. S. 134 —144.
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