Full text: Volume (Bd. 1 (1830))

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Allein, faßt man diese Zwangspflicht in Ansehung
ihrer leichten Erfüllung und der dadurch zu erreichenden
Zwecke, etwas naher in's Auge, erwägt man die dafür
sprechenden, sehr erheblichen und wichtigen historischen, po-
litischen und civilrechtlichen Gründe, die in so vielen Fallen
schon durch Reallasten bedingte Nothwendigkeit der Berich-
tigung des Besitztitels, und den eigenen Vorthcil, welchen
eine fortgeführte Eintragung des Besitztitels für den Besit-
zer und dessen Erben hat; so verschwindet das Gehässige
dieses Zwangs, und er gehört gewiß nicht zu den lästig-
sten Beschränkungen, welchen in der bürgerlichen Gesell-
schaft die Unterthanen in so manchen andern Beziehungen
unterworfen werden müssen.
Eine jede Zwangspflicht ist zwar an und für sich
selbst immer etwas Beengendes, welches jedoch an seiner
Beschwerde verliert, je leichter das zu Leistende zu erfüllen
ist; und das ist gewiß hier der Fall.
Worin sollte aber das Gehässige bestehen? — Wenn
es ein Eindringen in die inner» Privat» und Familien»
Verhältnisse wäre, wenn man von dem Besitzer Etwas
forderte, was er der Offenkundigkeit vorenthalten will; so
würde ein solcher Vorwurf allerdings begründet sein. Al-
lein so verhält es sich keinesweges. Der Besitz eines Grund-
stücks ist kein Geheimniß; er ist vielmehr, mit höchst seltener
Ausnahme, notorisch. Er kann auch kein Geheimniß sein,
weil der Besitzer in so manchen bürgerlichen Verhältnissen,
z. B. bei der Grundsteuer, der Erbschaftssteuer, bei der
Ausübung politischer Rechte, an's Licht treten muß.
Von der historischen Seite betrachtet, ist die Verlautba-
rung des Wechsels der Grundeigenthümer nichts Neues, son-
dern etwas Altes. Die Allodial-Investituren, ge-
richtlichen Auflassungen des Eigenthums, Aner-
bungen, resi^nutiones judiciales U. s. w., Waren

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