Full text: Volume (Bd. 1 (1830))

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sctzgebung nichts geändert werden sollen, und cs wird also
bei dem Rechtsfall, womit dieser Aufsatz beginnt, darauf
ankommen, sich darüber auszusprechen:
' ob ein richtiges Verhältnis« zwischen Leistung auf der
einen, und Belohnung auf der andern Seite, hier wu-
zunehmen sei,
weil darauf die Entscheidung beruht, ob remuneratorisch
geschenkt sei oder nicht, und wenn letzteres der Fall ist,
die Anfechtung der Schenkung von Seiten der Klägerin
unbedenklich erscheint.
Offenbar ist dieses richtige Verhältniß hier nicht vor-
handen. -
Die Schenkung erfolgte deshalb, weil die jüngere
Tochter den Vater sieben Jahre hindurch liebevoll gepflegt
hatte.
Davon, daß die ältere Tochter dm Vater, als derselbe
nothleidend gewesen, nicht habe unterstützen wollen, und
daß daher der Vater, aus dem Grunde des §. 408. Tit. 2.
Th. H. des A. L. R., eine gültige Enterbungs-Ursache ge-
habt haben würde, ist hier überall nicht die Rede. Der
Vater hat dies nicht behauptet, die Tochter nicht enterbt,
und die oben angeführten Vermögens-Umstände der ältcrn
Tochter machen es höchst wahrscheinlich, daß sie nicht im
Stande gewesen ist, die Pflege des Vaters zu übernehmen,
wofür ihre Schwester so reichlich belohnt werden soll.
Aber was hat die letztere mchr'gethan, als Pflich-
ten erfüllt, die aus dem heiligsten aller Verhältnisse so na-
türlich folgen, daß sie der gesetzlichen Vorschriften in den
§§. 61. 62. 63. Tit. 2. Th. II. des A. L. R. kaum zu be-
dürfen scheinen. Die begünstigte Tochter konnte dies frei-
lich auf eine für den Vater so schonende Weise gethan ha-
ben, daß er sich ihr besonders verpflichtet fühlte, und das
Bedürfniß hatte, ihr dies durch Begünstigung bei Verthci-

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