Full text: Volume (Bd. 1 (1830))

206

„der Artikel (228) bedient sich des allgemeinen Aus«
drucks Entwendungen, um anzudeuten, daß derselbe nicht
blos bei dem einfachen Diebstähle, sondern auch bei den
ausgezeichneten Diebstählen, und sogar bei dem Zusam-
mentreffen erschwerender Umstände ohne allen Unterschied
anzuwcnden sei."
Eben so sollen nach dem östreichischen Gesetzbuch über
Verbrechen und schwere Police!-Uebertretungen, LH. 1. §.
168. und Th. II. §. 213. Entwendungen überhaupt, zwi-
schen Ehegatten, Eltern und Kindern, oder Geschwistern,
so lange sie in gemeinschaftlicher Haushaltung leben, nur
auf Ansuchen des Hauptes der Familie zur Strafe gezogen,
sodann aber gelinder geahndet werden 2).
Diese vom gemeinen Recht abweichenden Bestim-
mungen der Partikular-Gesetzgebungen fallen indeß kn eine
weit spätere Zeit als das Landrecht. Bei der Redaction
und Publication dieses Gesetzbuchs galt noch der gemein-
rechtliche Grundsatz: daß zum Thatbestand der Amotion ein
Diebstahl ohne erschwerende Umstände erfordert werde; es
läßt sich daher mit einem hohen Grade von Wahrscheinlich-
keit annehmen, daß der Gesetzgeber, hatte das Landrecht
von dem bisher gültigen Grundsatz des gemeinen Rechtes
abweichen sollen, diese Abweichung auf das bündigste aus-
gedrückt haben würde.
Statt dessen finden wir jenen Unterschied des gemei-
nen Rechtes nicht weniger angedeutet durch die Stellung
der §§. 1133—1136. Tit. 20. Th. II. Mg. Landr. in
der Reihe der gesetzlichen Vorschriften, welche nur von ge-
meinen Diebstahlen ohne erschwerende Umstände handeln,
als durch die im §. 1136 gebrauchten Worte: „gleich
jedem andern gemeinen Diebstahl."
2) S. auch Kudeler's Erklärung des Strafgesetzes über
schwere Policei-Uebertretungen; 2te Aufl. Wien 1827. S. 268.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer