Full text: Volume (Bd. 1 (1830))

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und 181. des Entwurfs völlig überein, und müssen daher
in eben dem Sinne genommen werden, welchen sie im
Entwürfe gehabt haben. Sie sind mithin, wie oben be-
reits in Betreff des H. 177. 1. c. durch einen Schluß e con-
trario (f. S. 112.) gezeigt ist, dahin auszulegen, daß
die Agnaten, wenn sie zugleich des Lehnsbesitzers Erben
geworden sind, in der Regel, die ohne ihre Zustimmung
vorgenommcnen Lehns-Veräußerungen nicht revocircn kön-
nen. Nachdem auch den Descendenten des Vasallen die
Befugniß beigelegt worden, das Lehn ohne bas Allodium
anzutreten, ist es zwar nicht ganz konsequent, zwischen
ihnen und den Agnaten einen Unterschied in Betreff der
Wirkungen fortbestehen zu lassen, welche die Erwerbung
der Allodial-Erbschaft des Vasallen mit sich führt ").
Hieraus kann man aber immer nicht einen Grund entneh-
men, das bei der letzten Redaction des Gesetzbuches in den
§§. 268—270. d. T. lediglich den Descendenten des Va-
sallen verliehene Recht auf die Agnaten auszudehnen, in
deren Hinsicht von einem solchen Rechte nirgends die
Rede ist.
Der Hofrath Eichhorn hat in seinem Rechtsgut-
achten über die Interpretation des §. 309. Tkt. 18. Th. I.
des Allg. Landr. 12) §. 11. eine entgegengesetzte Meinung

11) Zur Vertheidigung dieses Unterschiedes läßt sich jedoch an-
führen, daß das Verhaltniß der Descendenten des Vasallen und der
Agnaten auch gegenwärtig nicht völlig gleich sei, indem nicht die
Agnaten, wohl aber die Descendenten, wenn sie das Lehn ohne Al-
lodium antreten, die Allodial-Schulden ihres Vorbesitzers aus den
Lehnsfrüchten zu bezahlen verpflichtet sind. (§. 273 — 275. Tit. 18.
LH. I. Mg. Landr.).
12) Rechts-Gutachten, die Auslegung des Th. I. Lit. 18.
§ 309. des Allg. Landr. für die preuß. Staaten betreffend, v. K.
F. Eichhorn, v. Hofrath und Professor der Rechte zu Göttingen.
Berlin, bei Reimer 1821. in Fol.

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