Full text: Beiträge zur Kenntniß des Rechts der freien Hansestadt Bremen (Bd. 1 (1837))

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Verwittwete Kinder haben den Consens nicht minder
einzuholen r).
Es ist kürzlich die Frage zur gerichtlichen ^Ver-
handlung gekommen, ob auch die auswärtigen Eltern
eines unseren Gesetzen unterworfenen Kindes das in der
Verordnung erwähnte Recht aufAnnullation aeltend machen
können 2). Der rechtlichen Entscheidung kam ein Vergleich
zuvor. Erwägt man indeß die dem Gesetze zum Grunde
liegenden ^Verhältnisse und die veranlassenden Ursachen,
so möchte sich schwerlich, ein Argument auffinden lassen,
weshalb ein solches Kind sich um den Consens seiner
Eltern nicht ,zu bekümmern brauchte. Das Gesetz ^bcssä-
jticjt eine als Pietäts-Pflicht in allen^Christlichen Staaten
Anerkannte Verbindlichkeit, es deutet nicht im entferntesten
auf ein besonderes politisches oder städtisches Interesse
hin, welches die Gesetzgeber dabei im Auge gehabt
hätten, vielmehr soll alle r Ungewißheit, ^wann ein
Verlöbniß für MMltigllü^hästen, abgeholfen, und lang-
^Mierigen^Macesscn vorgebeugt werden — Veranlassungs-
Gründe , welche eine Beschränkung der allgemein'
redenden Verordnung auf Bremisch e Eltern gewiß nicht
rechtfertigen. Der Gcgengrund, daß den Auswärtigen in
Bremischen Gesetzen^eine^Mechte. zugctheilt wären, weil
"ihnen ebensowenig dadurch Verpflichtungen aüferlegt
würden, ist in solcher Ausdehnung gar^nicht haltbar.
Kann doch der auswärtige Creditor eines Bremers, ohne
Rücksicht aus den Entstehungsort der Forderung, Bei-
spruch gegen i?ic handfesten - Willigung des ^Bremers
erheben, obgleich 'solches" Rechtsinstitut auf eigentümlich
Bremischer Gesetzgebung beruht. Ein durchgreifendes
Argument für die angenommene Meinung möchte indeß

*) Siehe Berck Güterrecht. S. 209.
°) Joh. Elisab. Meyer, Klägerin, c/a H. G. v. T.,
Beklagten. 1835,

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