Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

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Allgemeine Begründung.

«„schaumig zur Seite, so würde der römisch-rechtlichen Auffassung als der dem
Wesen des fließenden Wassers am meisten entsprechenden jedenfalls der Vorzug zu
geben sein.
DaS Wasser ist eines der wichtigsten Elemente der Wohlfahrt und der Ent-
wickelung der gesammten menschlichen Gesellschaft. Ebenso heilsam und nützlich
aber wie es bei richtiger Benutzung für den Einzelnen und die Allgemeinheit sein
kann, ebenso schädlich und verderbenbringend kann eS wirken, wenn die zu seiner
Abwehr nöthigen Vorkehrungen unterlassen oder vernachlässigt werden. Die Volks-
wirthschaft und das Gemeinwohl fordern daher ebenso sehr eine möglichst all-
gemeine Verwerthung des Wasserschatzes, der nährendm und befruchtenden, treiben-
den und tragenden Kraft des Elementes, wie eine nicht blos dem Einzelnen,
sondern der Gesammtheit der Anlieger zu Gute kommenden Handhabung des
WasserschutzeS. Beides zugleich würde aber trotz der großen Fortschritte der Technik
nicht zu erreichen sein, wenn die ausschließliche Benutzung des Wassers denjenigen,
die infolge ihrer zufälligen Anliegerschaft die erleichterte Nutzungsmöglichkeit
voraushaben, rechtlich zugewiesm würde. Denn es ist kaum irgend ein weiter-
gehender Gebrauch des fließenden Wassers in seiner Wirkung auf den Machtkreis
des Einzelnen beschränkt; Wasserverunreinigung, Stauanlagen, Waffer-Ab- und
-Zuleitung, Veränderung des Flußbettes, Anlandungsanstalten wirken meist weit
nach oben oder unten auf dm Wasserlauf ein, wie auch die,sonstigen Verhältnisse
der fließendm Gewässer, ihr Querschnitt, der Zustand ihrer Ufer, die Gestaltung
des Hochwasserbettes, unter Umständen die Interessen ganzer Landstriche sehr
empfindlich berühren. Diese starke Betheiligung der öffentlichen Interessen bei den
meisten Verhältnissen der fließenden Gewässer hat daher auch in dm Gesetz-
gebungen, die dm Anliegem das Privateigenthum an den Wasserläufen zuerkennm,
zu dm erwähnten eingreifenden gesetzlichen Eigmthumsbeschränkungen geführt.
Aber erst die Behandlung aller fließendm Gewässer als öffentliche Sachen
würde für die Wahrung der öffentlichen Interessen den wünschenswerthen Spiel-
raum geben und eine den Fordemngen der Volkswirthschaft allseits entsprechende
Ausnützung des Wafferschatzes ermöglichen. Nur auf diesem Wege läßt sich, wie
in neuerer Zeit immer mehr erkannt worden ist, den erhöhten Ansprüchen der
Landwirthschaft und der Industrie gleichzeitig gerecht werden und eine Vereinigung'
der sich gerade auf diesem Gebiete wiederstreitendm Interessen erreichen. Als
weiterer Vorzug dieses PrinzipeS aber ergiebt sich eine wesentlich klarere und ein-
fachere Gestaltung der gesammten Rechtsverhältnisse am fließenden Wasser und
eine leichtere Lösung der mannigfaltigen und nie ganz zu beseitigendm Wasser-
rechtsstreitigkeiten, wozu besonders auch der Umstand beitragen würde, daß durch
- deren grundsätzliche Unterstellung unter das öffentliche Recht bei den Entschließungen
und Entscheidungen in Wasserrechtssachen das sonst unvermeidliche Nebeneinander-
greifen von gerichtlicher und verwaltungsbehördlicher Zuständigkeit wesentlich ein-
geschränkt wird. .

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