Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

786

I. Bürgerliches Gesetzbuch.

2. Wenn der Auftraggeber nach Zustandekommen des Geschäfts dem
Mäkler erklärt, er zahle nur die Hälfte der Provision, weil das Geschäft
unter anderen als den zunächst festgesetzten Bedingungen zu stande ge-
kommen sei, und der Mäkler damit nicht einverstanden ist, ist der Auf-
traggeber aus alle Fälle verpflichtet, die Hälfte zu zahlen (R.Ger. 11. Juli
1892, Bd. 2 S. 567).
8 657. Wenn nur ein Theil des Verlorenen zurückgebracht wird, so
ist auch nur ein Theil der Belohnung zu zahlen; der unredliche Finder
kann überhaupt keine Belohnung verlangen (L.G. Leipzig 18. Juni 1896,
Bd. 7 S. 208).
8 662. Ein zur Auflicht über eine Sparkasse bestellter Abgeordneter
ist als Beauftragter der betreffenden Gemeinde anzusehen. Er hastet für
Fahrlässigkeit bei der Beaufsichtigung der Kassenbeamten, aber nur inso-
weit, als nicht der Gemeinde selbst eine Fahrlässigkeit zur Last fällt,
B.G.B. 8 254 (O.L.G. Dresden 29. Dez. 1892, Bd. 3 S. 222).
8 666. Der „Vertrauensmann" einer nicht organisirten Arbeiter-
genossenschaft, welcher über die Verwendung der zu Streikzwecken gesam-
melten Gelder Rechenschaft abzulegen hat, ist im Verhältniß zu den übrigen
Streikgenossen als Mandatar anzusehen (L.G. Leipzig 12. März 1892,
Bd. 2 S. 665).
8 671. Eine Firma, die den Verkauf von Maaren an einen über-
seeischen Platz übernommen hat, aber nicht aussührt, sondern, ohne ander-
weite Disposition ihres Auftraggebers abzuwarten, die Waare nach Europa
zurückschickt, haftet ihrem Auftraggeber für den daraus entstehenden Schaden
(R.Ger. 10. Dez. 1892, Bd. 3 S. 448).
8 672. Der Auftrag an einen andern, nach dem Tode des Auftrag-
gebers einem Dritten eine Schuld zu erlassen, enthält einen Schulderlaß
durch Vermächtniß und ist nur gültig, wenn er in der für die Vermächt-
niffe vorgeschriebenen Form erfolgt ist (R.Ger. 21. Sept. 1898, Bd. 8 S. 696).
8 676. I. Ein Kaufmann, der einem Dritten, mit dem er in keinem
Vertragsverhältniß steht, über ein Rechtsverhältniß eine objektiv falsche
Mittheilung gemacht hat, ist nach erlangter Kenntniß von der wahren
Sachlage nicht verpflichtet, die frühere Mittheilung zu berichtigen (R.Ger.
12. Dez. 1897, Bd. 8 S. 165).
2. Wer über einen anzustellenden Gehilfen bei deflen früherm Prin-
zipal Auskunft einholt, kann nicht Schadenersatz deshalb verlangen, weil
der andere Theil vorgekommene Unregelmäßigkeiten des Gehilfen nur an-
gedeutet hat (R.Ger. 22. Jan. 1896, Bd. 6 S. 143).
3. Der Verkäufer, der die von ihm gelieferte, vom Käufer als zu der
beabsichtigten Verwendung unbrauchbar beanstandete Waare als hierzu

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