Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

»ach dem neue» D. H.G.B.

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an der Persönlichkeit des Dritten, entstanden aber Schwierigkeiten bei der Ab-
wickelung, so konnte die Namensnennung noch immer nachträglich erfolgen.
■ Dagegen war dem Kommissionär, der seine Geschäftsverbindungen nicht offen auf-
dccken wollte, an der Geheimhaltung des Dritten erklärlicherweise viel gelegen.
Mit diesem Aufkommen der unbestimmten Ausführungsanzeige war
aber eine Art Selbsthaftung des Kommissionärs von selbst gegeben. Denn
das konnte natürlich nicht geleugnet werden, daß eine unbestimmte Anzeige aus
alle Fälle ein gewisses Risiko für den Kommittenten in sich barg, und daß durch
die Verschweigung des Drittkontrahenten die Vornahme rechtzeitiger Schritte bis-
weilen unmöglich gemacht wurde. Und es konnte ja auch schließlich dem Kom-
mittenten nur recht sein — es ist dies ein Punkt, der in neuester Zeit sehr häufig
geltend gemacht worden istvv) — wenn er sich im Prozesse eine Verweisung an
einen ihm vielleicht, völlig unbekannten und schwer erreichbaren Dritten nicht ge-
fallen zu lassen brauchte, sondern sich an den ihm von vornherein seiner Person
und Solvenz nach gleichbekannten Kommissionär halten durste. So entstand denn
in allen betheiligten Kreisen die Auffassung, daß eine unbestimmte Ausführungs-
anzeige den Kommissionär für die Erfüllung des Geschäfts haftbar mache 40), und
es wurde, um diesen Erfolg im konkreten Falle unter allen Umständen zu er-
reichen, meist noch von den Parteien die Uebernahme des „Delkredere" speziell ver-
einbart 41), oder wohl auch eine besondere Abrede des Inhalts getroffen, daß der
Kommittent den Kommissionär „als den Käufer oder Verkäufer betrachten solle."
Die Kommissionäre strebten nun aber darnach, über diese rein passive
Selbsthaftung hinaus vollständig in die Rechtsposition des Drittkon-
trahenten zu gelangen, und beanspruchten als Aequivalent für die ihnen oblie-

3°) S. die Aussagen des S. V. Sob ernheim S. 2588 flg., H orwitz S. 2801, vgl.
Bericht S. 165, Weber S. 35.
40) S. das Gutachten der Handelskammer zu Frankfurt a./M. vom 10. Sept. 1846
(M alß, Ausgewählte Gutachten der Handelskammer zu Frankfurt a./M. 1654 S. 110) wo-
nach daselbst:
„bei Ausführung von Kommissionen zum Einkauf oder Verkauf von Staats papieren
oder industriellen Aktien . . . nicht Gebrauch sei ....
a) die Namen der . . Käufer oder Verkäufer aufzugeben, welches Letztere nur
in dem Falle geschehen muß, wenn der Kommissionär für die hiesigen
Käufer oder Verkäufer nicht haften, sondern seinen Kommittenten den
Risico mit denselben übertragen will . . .
S. ferner die in den Urtheilen des Ober-Tribunals vom 2. November 1849 (Strieth.
I Nr. 2 S. 5 flg.), 17. Mai 1850 (eb. Nr. 3 S. 10 flg.), 3. Oktober 1850 (Entsch. XX
Nr. 13 S. 159) und 10. Oktober 1850 (Strieth. I Nr. 5 S. 14 flg.) erwähnten Gutachten
der Kaufmannsältesten.
*i) Das Delkredere, das heute, namentlich im Effektengeschäft, gar keine Rolle mehr
spielt (vgl. Weber S. 35 Anm. 7), war vor dem Handelsgesetzbuche geradezu die^ Regel!
Vgl. z. B. die Anm. 48, citirten Entscheidungen des Obertribunals.

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