Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

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Breit, Das Selbsteintrittsrecht des Kommissionärs
Börsenkommission anders. Denn der Privatmann hat in Börsenspeku-
lationen regelmäßig gar keine oder doch nur geringe Erfahrung und
ist gezwungen, sein Schicksal vertrauensvoll in die Hände seines
Kommissionärs zu legen. Will er daher überhaupt irgendwelche Weisungen
über die Geschäftsabwickelung ertheilen, so ist er hierbei durchweg auf den „Rath"
seines eigenen Kommissionärs angewiesen"), wenn er es nicht einfach vorzieht, auf
eigene Mitwirkung völlig zu verzichten und im Großen und Ganzen den Kom-
missionär frei nach eigenem Gutdünken schalten und walten zu lassen. Ja, es
sind nicht selten Fälle zur gerichtlichen Entscheidung gekommen, in denen der Kom-
mittent nicht einmal eine allgemeine Angabe über die Effektengattung, in
der er spekuliren wollte, und über den ungefähren Umfang der einzugehenden Ver-
pflichtungen gemacht hat, und in denen der Auftrag einfach lautete: auf Rech-
nung des Kommittenten an der Börse in Werthpapieren zu speku-
liren?") Es ist offensichtlich, daß dieses außerordentliche, ja unkontrolirbare
Vertrauen, das der Kommittent im Börsenverkehre seinem Kommissionär ent-
gegenbringt, gleichfalls zur Stärkung der Position des Kommissionärs beitragen
mußte?')
Und erwägt man schließlich noch, wie der Kommittent — und insbesondere
der nicht kapitalkräftige — dauernd zu befürchten hat, bei den geringsten Kurs-
schwankungen Nachschüsse leisten zu müssen, und soweit ihm dies unmöglich ist,
aus dem Engagement geworfen zu werden"), so wird man sich der
Einsicht nicht verschließen können, daß der Börsenkommissionär denn
doch wirthschaftlich seinem Kommittenten gegenüber eine ganz an-
dere Stellung einnimmt als der ehemalige Kommissionär des ge-
meinen Handelsrechts, und daß daher die starke Disharmonie, die
sich zwischen der ökonomischen Struktur des modernen Kommissions-
le) Vgl. Eschenbach. S. IS, aus der Praxis die Reichsgerichtsentscheidungen bei
Bolze I Nr. S60 S. 212. III Nr. 622 S. 180, IX Nr. 216. 332 S. 94. 145, XV Nr. 314
S. 198 flg.. f. a. Entsch. XIX Nr. 19 S. 100, neuestens Jur.-Woch. 1898 S. 265 Nr. 24
(2/III 98) und S. 616 flg. Nr. 66 (24/IX 98).
20) S. z. B. die Entscheidung des Handelsappellationsgerichts Augsburg vom
19. Juni 1875 in der Sammlung von Entscheidungen des obersten Gerichtshofs für Bayern
in Gegenständen des Handels- und Wechselrechts III. Bd. S. 296 flg.
21) Auf dieses Vertrauensmoment, das dem modernen Kommissionsgeschäft involvirt.
wird in kaufmännischen Kreisen großes Gewicht gelegt. In der Enquete-Kommission ist von
verschiedenen Sachverständigen energisch darauf hingewiesen worden: vgl. z. B. die S. V
Kopetzky S. 329, 336, 340 flg., Samuel S. 605, Hinrichsen S. 760, Dr. Simon
S. 1715, Goldschmidt S. 1721, Werner S. 2603, Schmerfeld ©.2603, Brunkow
S. 2744, Dr. Müller S. 3110. Vgl. ferner Eschenbach S.. 6, 17, Gutachten der
Handelskammer Hamburg zum Bericht der B.-E.-K. S. 19, Denkschrift der Aeltesten der
Kaufmannschaft Magdeburg zum Bericht der B.E.K. S. 43.
“) Vgl. Endemann, BSrsen-Kommissionsgeschäft S. 23 flg., Eschenbach S. 48
48, Wiedemann S. 64 flg.

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