Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

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nach dein neuen D. H.G.B.
und die Schlußscheine in der Form des Kommissionsgeschäfts „Ich kaufte (ver-
kaufte) für Sie u. s. w." ausstellen®), so sind sie doch juristisch Eigenhsindler.")
Aber auch dort, wo der Kommissionshandel noch heute besteht, ist infolge
des geschilderten Eliminierungsprozesses seine wirthschaftliche Stellung stark modi-
ficirt worden. Die auf das denkbare Minimum — z. T. bis auf % % —
gesunkenen Provisionen haben den reinen Kommissionshandel, der zur Zeit der
Emanation des alten Handelsgesetzbuchs noch in bedeutendem Umfange bestand,
nunmehr fast völlig vernichtet, und die bereits damals vorhandene Verbindung
von Eigen- und Kommissionshandel ist immer enger und untrennbarer ge-
worden.") Es ist heute schlechterdings nicht mehr mit Sicherheit zu entscheiden,
ob bei gewissen Geschäften der Kaufmann Proprehändler oder Kommissionär ist,
und es hat sich auch bei den Berathungen der Börsen-Enquete-Kommission heraus-
gestellt, wie ein und dieselben Händler von den Kunden in den einen Ge-
genden als Proprehändler, von den in anderen als Kommissionäre an-
gesehen wurden.") Die verhängnisvollen Konsequenzen, die diese innige Ver-
schmelzung theilweise mit sich bringt, werden weiter unten noch eingehend
erörtert werden.
Freilich ist das schließliche endgültige Abstoßen des Kommissionärs eben nur
dort völlig durchführbar, wo der Zwischenhändler nicht als absolut nothwen-
diger Vermitteler für das Zustandekommen des konkreten Vertrags eintreten
muß, wo also beide Kontrahenten hinsichtlich der rechtlichen und faktischen Mög-
lichkeit des Geschäftsabschlusses gleich befähigt sich gegenüberstehen. Dies wird
beim berufsmäßigen Händler regelmäßig der Fall sein. Hier ist'allerdings der
heutige Kommissionär, um mit einem Sachverständigen der Börsen-Enquete-Kom-
mission zu sprechen, „ein vollständig überflüssiges Möbel."")'/
2. Dagegen haben aber andererseits die erwähnten mächtigsten Faktoren der
neueren socialen Entwickelung die Bedeutung und den Umfang des Kommissions-
handels aus einem Spezialgebiete des Handels, bei dem die grundsätzlich gleich-
werthige Position beider VertragStheile schlechterdings ausgeschlossen ist, nämlich
auf dem Gebiete des Börsenverkehrs, in außerordentlichem Maße gesteigert,
fteilich nicht ohne gewisse Veränderungen der ursprünglichen Natur des Kom-
missionsgeschäfts und namentlich auch nicht ohne wichtige Konzessionen an
die gerade im Börsenhandel besonders eklatante Kombination von Kommis-
9) S. V. MagnuS S. 2271.
»«) S. a. Weber S. 56.
") Nach Angabe des S. V. Hirsch, S. 3112, soll es jedoch in Mannheim »och reine
Kommissionäre geben. Ebenso S. V. Kantorowicz, S. 3225. Ueber das in Deutschland
im Gegensätze zu anderen Ländern allgemeine Jneinandersließen von Propre- und Kom-
missionshandel, vgl. Bericht S. 165, Eschenbach S. 22, 31, 45 flg., Weber S. 32,
44, 45, Wiedenfeld, Die Börse in ihren wirthschaftlichen Funktionen (1698) S. 61.
") S. V. Meyer, S. 2761.
") S. V. Meyer, S. 2762.

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