Full text: Volume (Erg.Bd. 1902 (1902))

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Richter, Wer hat das Recht zur Fischerei in Mühlgräben. 107
können die Anlieger einem Dritten den Zugang über ihr Grundstück zu ihrem
Ufer verbieten". Börner sagt in seiner „Revision der neueren Lehren von der
Zugehörigkeit der beständig fließenden Gewässer" im Archive f. d. civ. Praxis
Bd. 37 S. 163: „das Recht der Anlieger (an Bächen), Dritte von der Fischerei
auszuschließen, ist ursprünglich nicht aus dem Eigenthum an denselben als fließende
Wasser, sondern entweder aus besonderen Erwerbstiteln oder daraus herzu-
leiten, daß sie vermöge des ausschließlichen Rechts über den Grundbesitz den Zu-
gang zu den Bächen zum Fischen Dritten nicht berechtigten wehren können."
Beseler sagt in § 200 unter B. V. seines Deutschen Privatrechts: „Fischen und
Krebsen in Privatgewässern steht in der Regel den Anliegern zu, welche jedenfalls
auch wenn der gemeine Gebrauch daran hergebracht ist, Dritte von der Be-
tretung ihres Gebiets abhalten können." Das O.A.G. spricht in s. Urtheil
vom 16. VIII. 1870 (i. s. Annalen N. F. Bd. 9 S. 123 unter III) aus,
das Recht der Adjacenz sei eilt annexum des Eigenthums an den adjacirenden
Grundstücken, nicht aber ein integrirender, selbständiger Theil der
Grundstücke, und sagt noch schärfer in seinem Urtheil v. 29. VIII. 1871 (i. s.
Annalen N. F. 10 S. 240 = Z. f. R. u. 93. Bd. 38 S. 58), das Recht der
Adjacenz sei weiter nichts, als die' thatsächliche Füglichkeit, ohne ein Be-
treten, fremden Grund und Bodens in dem Flusse zu fischen und Anderen den
Zugang zu dem Flusse zum Zwecke des Fischfanges zu verbieten; ein besonderes
Recht zum Fischen liege darin nicht. Das O.L.G. eignet sich in seinem Ur-
theile v. 29. III. 1883 in s. Annalen Bd. 4 S. 520 den Ausspruch desO.A.G.'s
v. 16. VIII. 1870 an und sagt in seinem Urtheile v. 15.1. 1887 i. s. Annalen
Bd. 9 S. 380: „Die Anlieger sind lediglich wegen der durch ihre Grundstücke
vermittelten ausschließlichen Zugängigkeit im Vortheile." Im Einklänge mit diesen
klaren Aussprüchen stehen die Ausführungen
in W. f. R. v. I. 1841 S. 52 flg., in den Motiven zum Entwürfe
v. I. 1845 bei Kritz S. 44, 45, des O.A.G.'s v. 8. IX. 1875 in
d. Z. f. R. u. V. Bd. 43 S. 516 und Krische's a. a. O. S. 482 flg'.
und wohl auch Curtius i. s. Handbuch des Sächs. Civilrechts, wo er in 8 991
unter b sagt: „das Recht, in dem Ableitungsgraben zu fischen, liegt keineswegs
in dem Recht der Wasserleitung. Es verbleibt vielmehr dem dominus fundi"
(womit Curtius den zur Fischerei im Flusse Berechtigten zu meinen scheint).
VIII.
Das Gesetz vom 15. Oktober 1868 steht mit diesem Rechts-
zustande nicht in Widerspruch, wie das O.A.G. in seiner erwähnten Ent-
scheidung vom 3. XI. 1874 (in Wengler's Archiv v. I. 1875 S. 280) aus-
geführt hat, sondern in vollem Einklänge.
Es bestimmt allerdings in 8 3 Abs. 1:
„das Recht zu Ausübung der Fischerei in fließenden Gewässern steht, insoweit

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