Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

442 Strafrecht.
haben, dies Verbrechen aus einem andern Gesichtspunkte etwa
strenger zu bestrafen, oder etwa aus dem Gesichtspunkt der da-
durch verletzten öffentlichen Sicherheit, welcher allerdings einer
strengeren Ansicht nicht entgegen seyn dürfte, scharfer aufzufas-
sen, obgleich Rec. doch glauben möchte, daß dem Staate selbst
zu viel an der Heiligkeit des Gottesdienstes gelegen seyn muß,
um eine so gelinde Bestrafung des Frevels wider denselben ver-
antworten zu können. Es ist dabei unstreitig ein schöner Ge-
danke, den der sächsische-mit deni hannöverschen Entwürfe hat,
die Störung des Gottesdienstes neben der des Hausfriedens zu
behandeln. Er entspricht den Ansichten von der Heiligkeit des
Hauses , und HeerdeS, welche, wie die Geschichte und die neueste
Erfahrung im Einklänge bestätigen, nie aufgehört hat, den
Deutschen Ehrfurcht für den Frieden, die Sittlichkeit, den gu-
ten Ruf eines Hauses einzuflößen. Mittermaier meint zwar
(S. iZt Rote 59), durch diese Zusammenstellung werde die
Kirche zu einem nur besonders geschützten und bevorzugten
Hause, und es trete weniger die Beziehung des Verbrechens
auf die Religion hervor. Allein praktisch hat dieser Einwurf
keinen weitern Werth, da, wie gesagt, M. die Bestrafung der
Störung des Gottesdienstes wegen ihrer zu großen Gelindigkeit
nicht tadelt, und wollte man sie strenger strafen, als hier ge-
schehen/ so ist die Kirche ja gerade um der Religion willen daS
besonders bevorzugte Gebäude, mithin steht die Rücksicht auf
die Religion nicht so zurück, um nicht ihren Einfluß auf die
scharfete'Bestrafung deö Verbrechens gegen die Kirche aueübcn
zu können. Wiewohl übrigens Art. >85 Nro. II. aus dem
Art. ZZ6 des baierschen Gesetzb. herstammt, jedoch die Strafe
weit geringer ist, so findet nichtsdestoweniger der ständische De-
putirte (Nro. 6 S. 22) die Strafe noch nicht gelinde genug,
aber freilich scheint sein casuistischer Grund nichts- zu 'beweisen.
— Art. X89 ff. Brandstiftung. Mittermaier (Nro. 4

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