Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

fri8 Strafrecht.
schäften derselben Handlung ergeben , vermöge deren sie in ein
Verbrechen übergeht, noch mit einer weitern Strafe belegt wer-
ben soll. Bauer verwirft diesen Grundsatz, weil auch ein
Strafurtheil zu Gunsten des Bestraften rechtskräftig werden,
und auch der Verbrecher endlich einmal gegen eine neue Unter-
suchung und Bestrafung gesichert sepn müsse. Es scheint in die-
sem Argument eine Verwechslung des Prioatrechts und Civil-
Protestes mit dem peinlichen Recht und Processe zu liegen, wo-
vor nicht genug gewarnt werden kann (vgl. des Rec. Versuch,
der auch hauptsächlich dagegen gerichtet ist). Die Gefahr, wel-
che da^ Gemeinwohl bei dem großem Verbrechen erleidet oder
läuft, ist durch die Strafe des geringeren Vergehens nicht ab-
gewandt. Selbst nach der Theorie vom pspcholog. Zwange ist
es nicht zu rechtfertigen, daß man eine vom Gesetz angcdrohte
Strafe darum nicht anwendet, weil die unvollständige Unter-
suchung früher nicht auf das mit dieser Strafe bedrohte Ver-
brechen geführt hatte. So wenig es sich würde rechtfertigen
lassen, an einem Verbrecher die härtere Strafe zu vollziehen,
blos aus dem Grunde, weil diese einmal gegen ihn rcchtskräf.
tig ausgesprochen war,, wiewohl sich spater seine geringere
Strafbarkeit ergiebt: ebensoweuig kann und darf der Verbrecher,
welcher nur wegen eines Vergehens verurtheilt wurde, darin
einen Schutz wider die Strafe des von ihm begangenen Ver-
brechens suchen. Es ist dem Rec. der Fall vorgekommen, wo
Jemand zu einer zehnjährigen Karrenstrafe verurtheilt war,
bei dem es sich im Verlauf der Strafzeit ergab, daß derselbe
an einem parziellen Wahnsinn litt, von dessen Dasepn zur Zeit
der That die Gerichtsarzte nichts hatten wissen wollen, der aber,
wie die Umstande erwiesen, sich im Gefängnisse nicht erst ent-
wickelt, sondern nur sichtbarer ausgebildet haben konnte. Hätte
hier, weil einmal das Erkenntniß wider ihn rechtskräftig ge-
worden war, diese Rücksicht verhindern sollen, eine Strafe auf-

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