Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

384 Strafrecht.
Aus der Wissenschaft hat man in da» Gesetzbuch nament-
lich Definitionen aufnehmen zu müssen geglaubt. Doch
scheint man hier einerseits zu weit gegangen zu fein (Art. 35)
so wie überhaupt die Sprache (man vgl. damit nur die der
altern Gesetze) nicht gerade einem Gesetzbuche im Sinne berjeni-
' gen Schule, zu der die Coinmission sich bekannt hat, ganz an-
gemessen ist, und sich viele Artikel finden, die rein doctrinell
oder doch zu eompendienmaßkg abgefaßt sind. Andererseits feh-
len wesentliche Definitionen (Art. 39. 4r. 70), und selbst im
besondern Theile bei Verbreche«, wiewohl der Plan dahin ging,
von allen Begriffe sestzustellen. Unter den Beurthcilern findet
sich hierüber am wenigsten Uebereinstimmung. Wenn Mitter-
maier sich gegen eine Definition von Waffen entscheidet (Nro.
4 S. 100), so würde Rec. grade noch eine bestimmtere wün-
schen. Ja wenn der ständische Deputirte (Nro. 6 S. 58) im
Art. r75 sogar von widernatürlicher Wollust eine Begriffsauf-
stellung verlangt, so treibt Mittermaier (Nro. 4 S. rag ff.)
mit unverkennbarer Hinsicht auf die Bestimmung de» Gesetz-
buchs zu einer Dolkslektüre, das Zartgefühl soweit, sich genaue
Begriffsangaben von Ehebruch, Blutschande rc.. als unanstän,
big zu verbitten. Schreibt man indeß das Strafgesetz für den
Richter zunächst, so werden Definitionen unerläßlich, und ins-
besondre grad< da, wo die bisherigen Versuche mißlungen und
erschöpfende Begriffe aufzustellen schwierig ist, wie in letzterer
Hinsicht bei der Definition des äolas Bauer (Nro. 5 S. 4*7
418. vgl. S. 289) sehr richtig gegen Mittermaier (Nro. 4
S. 95) gezeigt hat. Nicht minder mußten auch Eint Hei-
lungen in dem Entwürfe gemacht werden; es scheint aber in
Ansehung derselben die Granze, wo daS Gesetzbuch von dem
wissenschaftlichen Lehrbuche sich scheidet, am wenigsten glücklich
getroffen, und die allgemeine Regel, nur zur Deutlichkeit oder
in ihren folgen wesentliche Eintheilungen aufzunehmen, (Nro.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer