Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

Z?6 Strafrecht.
der sittlichen und wissenschaftlichen Bildung des Volks über-
haupt, sei das Bestreben der Gerichte, jene harten Gesetze zu
umgehen, unvermeidlich; es sei eine Herrschaft der richterlichen
Willkühr und dadurch in den Strafurtheilen der verschiedenen
Gerichtshöfe desselben Landes ein auffallender Widerspruch be-
merklich geworden.
Will man auch einmal das Faktische in diesen Gründen
als richtig nicht bezweifeln, wiewohl namentlich die Volksbil-
dung schwerlich allgemein so hoch stehen dürfte, wie hier ange-
nommen wird, so scheinen sie dennoch nicht die Nothwendigkeit
eines neuen Gesetzbuches, ja nicht einmal des Einschreitens der
Gesetzgebung überhaupt zu beweisen. Betrachtet der Richter,
wie er das muß, das vorhandene Strafgesetz als die Richt-
schnur seines Urtheils, welche er zu überschreiten nicht befugt
ist, sollte das Ergebniß der Anwendung des Gesetzesffauf den
vorkommenden Fall sich auch nicht mit seinem und seines Zeit-
alters sittlichen oder geistigen Standpunkt vereinigen lassen,
überlaßt er die Versöhnung des formellen Rechts mit dem ma-
teriellen dem richtig verstandenen Begnadigungsrechte des Re-
genten (s. des Rec. Beitrage zur Rechtsphilosophie. Ein Ver-
such, abgedruckt in den kriminalistischen Beitragen Bd. Z und
besonders: Hamburg 1827. 8. §. 36—92), welches Recht auch
bei dem zeitgemaßesten Gesetzbuche in Anspruch genommen
werden wird: so ist eine Herrschaft der richterlichen Will-
kühr ebenso undenkbar, als ein Widerspruch in den Strafvoll-
ziehckngen. Sollte nicht vielleicht die Theorie hier sich über
Gebühr geltend machen, welche die Strafdrohung als den ei-
gentlichen und Hauptzweck des Gesetzes, und dasselbe nur ne-
benher als eine Richtschnur für die Gerichte betrachtet ? (vgl.
Nro. 4 ©. 16 ff.) Rec. muß sich gegen diese Theorie vom
psychologischen Zwange überhaupt erklären. Man mag sie im-
merhin als ein Gebäude menschlichen Scharfsinns und mensch-

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