Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

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Criminal-Proceß.

Beckcler es gethan, vielleicht half noch jemand, worüber mir
die Mutter helfen muß." '— Man sieht hier, daß er ausdrück-
lich Nachhülfe für fein Gedachtniß verlangt, um die Angaben
„probmaßig" zu machen. — Nachdem er nun den wirk«
lich ermitteltem Thatfachen in Rücksicht auf Zeit und Um-
stande ganz widersprechende Aussagen gemacht hat, kann er
nicht einmal den Namen des Herrn, den er in's Wasser ge-
stürzt haben will, aus dem Gedachtniß angeben, und höchst
unvorsichtiger Weife wird ihm durch einen der Gerichtsbei-
sitzer dieser Name durch die Frage: /,ob er nicht etwa Schult-
heiß Keller geheißen?" kund gethan, worauf er dann nach ei-
nigem Besinnen antwortet: „Fa, ich glaube eS." Auf welche
Art nun die, wiewohl noch immer höchst unvollkommene, Ue-
bereinstimmuug feiner Aussagen mit denen seiner Schwestern
entstanden ist, wird man sich leicht erklären, wenn man das
nachfolgende kleine Pröbchen einer Confrontation mit seiner
Schwester Barbara betrachtet.
Frage i. Hans, wer war dabei, als Schultheiß Keller in
die Neuß geworfen wurde? — Alt- Beckcler und ich, weiß nicht
bestimmt, ob auch Jung-Bcckelcr.
2. Barbara, sag ihm, wer dabei gewesen. — Auch Jung-
Beckcler war dabei.
Z. HanS, was sagst du dazu? — Ja, ich glaube be-
stimmt, Jung-Beckcler ftp dabei gewesen, und Labci gewesen
ist er bestimmt. Ich berief mich daher auf die Mutter.
4. Hans, warum beriefst du dich auf die Mutter? —
Weil sie es auf alle Falle so gut weiß, wie ich , wo wir gelegen.
5- Hans, sag' noch einmal, ob cs Tag oder Nacht war,
als ihr den Schultheiß in die Neuß warft? — Es war später,
als ich gesagt, jedoch war cs noch bei Tag.
6. Babi , was'sagst du dazu?— Besinne dich, HanS,
es war bei Nacht, uhb es war schlecht Wetter.

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