Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

254 Deutsches Privarrecht.
geschichtliche Nechtsw. Bd. III. H. UI. Nro.-XI.). G r im m
geht von der Ansicht aus, ein Schwanken zwischen der Begün-<
stigung des Eigenthums,vom Baum oder des Eigenthums vom
Grundstück scheine der. natürlichen Ansicht der ältesten Gesetzge-
bungen am allerangemessensten. Auf beiden Sekten geschehe ein
Eingriff ins Eigenthum, der Streit könne nur dadurch befried
bigend gelöst werden, daß,in der durchgreifenden Verfügung
ein Zufall geheiligt werde. In den Worten des Edicts: tevtio
quoque die sey offenbar dem Zufalle auch sein Recht gelassen.
Wenn nämlich der.Baumherr nur jeden dritten Tag in den
fremden Garten gehen und das hinübergefallene Obst lesen durf-
te, so konnte an diesem Tage wenig, an den beiden andern
aber viel gefallen sepn, und letzteres habe vermuthlich dem Gar-
tenherrn gehört. Auf diese Weise suchet Grimm für seine An-
sicht von sothaner Heiligung eines Zufalls eine. Bestätigung im
Römischen Rechte, und nicht minder beruft er fiel) auf mehrere
Gesetze des Mittelalters, welche die abgefallenen Früchte eben-
falls positiv unter beide Eigenthümer theilen, namentlich führt
er ein altes Herkommen im Kurhessischen Amte Landeck an, ver-
möge dessen der Nachbar alle über seinen Grund und Boden ra-
gende Zweige beerntet und dem Eigenthümer des Baumes nur
den dritten Theil davon zurückgiebt. Wir unsrerseits können
allerdings in zwei Hauptbeziehungen mit Grimm auch nicht
übereinstimmen; allein es verdient wohl bemerkt zu werden,
daß der Vers, in der Art, wie er die vermeintliche Ansicht, von
Grimm darstellt, ein Beispiel giebt, wie man einen Schrift-
steller, mit dem man nicht übereinstimmt, nicht zu excerpiren
habe. Grimm soll behauptet haben, es sep die 1, unica D.
de glande legenda mit dem deutschen Ueberfüllrechte der Früchte
in Verbindung zu bringen, und somit erhalte man das Resul-
tat, daß das Obst von zwei Tagen dem Eigenthümer des Grundes
und Bodens anheim falle, und daß am dritten Tage der Ei.

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