Full text: Volume (Bd. 3 (1827))

Entw. eines Crim. Gefttzb. f. d. KvSachsen. . ii.3
lichen Ermessens unvermeidlich ist, indem erst dem Richter, wenn
er die thalsachlichen Verhältnisse drö rinzelnrn Falles und die
Eigenschaften und Verhältnisse der dabei verkommenden Pcrfo-'
nen kennt, cs möglich wird,,die Starke,dieser Anzeigen, und
somit, die Stärke des geführten Beweises zu beurthcilen. Der
Gesetzgeber hingegen hat nach der Ueberzeugnng dcd Res. alles
was er zu leisten vermag, erschöpft, wenn er nur diejenigen
-Anhaltpunkte, welche bei der Beurkheilung eines Anzeigende«
weises vorzüglich zu berücksichtigen sind, aushebt, und mithin
auf dasjenige, was die allgemeine Kenntniß der menschlichen
Natur nach den-gewöhnlichen Erfahrungen darbictet, die rich»
terliche Aufincrlsamkeit hinlenkt. Die Erörterung der Frage
selbst: ob der geführte AnzeigcnbewelS zur Verurtheilung genü-
gend ftp oder nicht? muß er. in jedem einzelnen Falle..dem
pflichtmaßigen Ermessen des Richters unbedingt überlassen.
- Damit aber in Fallen, in welchen rS sich von den höch-
stes Gütern der Menschheit, von Leben, Ehre und Freiheit Han-,
delt, alles geschehen-möge, was, der Gesetzgeber zu lhun per?,
mag, - so könnten die VorsichtSmaaßregeln, die das Gesetzbuch,
anordnet, etwa in Folgendem bestehen: Vor allem würde-eine
Bertheidigung von-Amtswegen anzuvrdnen ftpn, wenn die Uc-
berweisung eine höhere Strafe, z. B. eine mehr als ^jährige
Freiheitsstrafe zur Folge Hatz sodann würde ein, nicht nur von
einem, sondern von zwei Mitgliedern zu haltender Vortrag der
Abstimmung bei deni'Gerichte vorangehen, die Abstimmung von
jedein Einzelnen nicht blos im Allgemeinen, sondern,unter na-
mentlicher Aushebung seiner Bestimmungsgründe zu geben fepn,
und die Verurtheilung erst dann für begründet angenommen
werden, wenn wenigstens zwei Drittheile der, Mitglieder auf
Ueberweisung stimmen. Nur auf diesem Wege glaubt Res.,
daß der Gesetzgeber seinen Obliegenheiten, ohne das richterliche
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