Full text: Volume (Bd. 6 (1829))

Beck und Lauteren, das erbach. und breubcrg. Land-R. 4
halt wie die meisten alteren Landesordnungen neben der Lehre
von den Gerichten und deren Einrichtung auch sehr viel mate-
rielles Recht. Sie zerfallt wieder in vier Thcile: 1) die Landt,
und Zentgerichtö-Ordnung. 2) Die Under-Gerichtsordnung.
Z) Die HaingerichtS«Ordnung. 4) Die Hofgerichtö>Ordnung,
Bei weitem am' reichhaltigsten ist die zweite, deren vier
letzte Titel ihres bloß polizeilichen Inhalts wegen nicht einmal
mit abgedruckt worden sind; am dürftigsrcn dagegen erscheint
die dritte, worin die Bußen aufgezahlt werden über das, was
die Nachbarn nach den Gelübden und Treuen, so sie zu der
Nachbarschaft gethan, als rugbar vor- und anzubringon hat-
ten. Die vierte steht zu den drei vorausgehenden in einem
sehr merkwürdigen Verhältnisse. Sie ist in der That reine Ge-
richtsordnung und enthalt gar kein materielles Recht; in ihr
herrschen Römische Terminologie und Ansichten vor. Die drei
ersten Thcile der Landesordnung stehen ihr gegenüber wie
Deutsches Recht dem Römischen, Deutsche Schöffen gelehrten
Römisch gebildeten Juristen, und so begegnet uns auch hier die
Erscheinung, die wir in den meisten übrigen Territorien an-
treffen, Gerade in den höchsten Gerichten eines Landes erwar-
ben die gelehrten Doctoren zuerst die Herrschaft. Die Einfüh-
rung des fremden Rechts gieng überall in der Richtung von
oben nach unten; nur mittelst der Theorie konnte das Römische
Recht Eingang in die Praxis finden, wahrend jedes Volkörecht
da, wo es ein solches ist, lange schon in der Praxis gelebt hat,
ehe sich eine eigentliche Theorie desselben zu bilden anfangt.
Der zweite Theil des Werkes von S. iZy. an, hat die
Ueberschrift: Ausführliche Darstellung der noch heut
zu Tage geltenden, eigenthümlich bürgerlichen
Rechte und Sitten der Grafschaft Erbach und Herr-
schaft Breuberg. Derselbe zerfallt in zehn Kapitel, welche
sich aber wieder in zwei Hauptabschnitte zerlegen lassen. Die

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