Full text: Volume (Bd. 6 (1829))

Württembergische Recht. 3u
werth legt, das Beispiel der Römer, wohl am wenigsten be-
achtet. Als das'Röm. R. in seiner höchsten Blüihe war: war
das Rcchtsprechen und Rechtlenken eigentlich bloß m den
Händen der Juristen und Staatsmänner! Uedcr die traurigen
Folgen, welche es haben müßte, wenn man das Prioatrecht
für ungelehrte Richter formen wollte, glauben wir ganz auf die
Ausführung des jetzigen Seniors der Württ. Practiker und
Theoretiker, Georgii'S, verweisen zu dürfen, welche von der
neueren Schrift Repscher's nicht widerlegt, und auch nicht
zu widerlegen versucht wurde. Wir pflichten Georgii voll,
kommen bei, wenn er in seiner angeführten Schrift S. VIII.
f. S. 74 f« io7 f. ausführt, daß in Civilprozeßsachen unge-
lehrte Richter für die Regel durchaus nichts taugen, daß sie
selbst nicht einmal politisch wünschenswerth stad, daß bei
unsrem jetzigen Culturzustande ein Gesetzbuch für Ungelehrte,
durch welches diese in den Stand gesetzt würden, über Rechts-
sachen selbst vollkommen zu entscheiden, und das zugleich die
gerechten Anforderungen an ein G-B. nur cinigermaaßen er-
füllte, ganz unmöglich sep, daß durch solche Tendenzen, durch
solche Gesetzbücher und durch in solchem Geiste geschriebene
VolkscatechiSmen unter allem möglichen Schlimmen das
Schlimmste erzeugt, die Jurisprudenz als Wissenschaft vernich-
tet, die Rechtspflege verworrenen Begriffen und dunkeln Ge-
fühlen anheim gegeben, der heillosesten Pfuscherey Thür
und Thor geöffnet, und dem Rechte das, was ihm seinen
Hauptvorzug geben muß, alle Sicherheit und Festigkeit gänz-
lich genommen werden würde. — Zutrauen des Volks zu
seinem Rechte, volksmaßiges Recht ist total verschieden von
einem Recht, welches das Volk selbst handhaben könnte. Das
Volk soll gerade so viel Jurist werden können, als Mediziner
— für seinen nächsten Hausbrauch und um zu wissen,
wo es weiter fragen soll. Daher mag man ihm juristische
/Krit. Zeitschr. VI. z. u.3„ 7

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