Full text: Volume (Bd. 6 (1829))

156 StaatSrecht.
Puncte, die verschiedene Ausbildung einzelner Folgesatze reicht
nicht hin, um den gemeinschaftlichen Stamm zu zerstören»
Dagegen freilich, wenn der eine dieser Staaten, oder gar beide,
die gemeinschaftliche Grundlage zerstört, wenn er für seine Ein-
richtungen ein ganz anderes Princip annimmt, wenn er in
Folge dieses neuen Principes eine Menge, von den bisherigen
gemeinschaftlichen ganz neuer Detail. Gesetze erlaßt, so hört die
ursprüngliche Gemeinschaft auf, es entstehen zwei ganz ver-
schiedene Staaten, und jeder hat fortan sein eigenes StaatS-
recht, das vielleicht mit dem des andern weder Grunhprinci«
pken noch einzelne Detail-Vorschriften mehr gemein hat, viel-
leicht aber auch zufällig da oder dort ein Stück der alten bei-
derseitigen Institute und Gesetze beibehalten hat.
Wenden wir nun diese Prämissen, deren Richtigkeit wohl
von Niemand bestritten werden kann, auf die staatsrechtlichen
Verhältnisse der deutschen Bundesstaaten an» Hier ist vor al-
lem klar, aber auch außer Streit, daß das philosophische
Staatsrecht in der oben bezeichneten Art Anwendung leidet.
Nur sey es erlaubt, hiebei ausdrücklich und um Mißverständ-
nissen vorzubeugen, daran zu erinnern, baß auch das philoso-
phische Staalsrecht sehr viele verschiedene, gleichlaufende Lehr»
complexe hat, und daß es ganz unwissenschaftlich und falsch ist,
wenn man bloS Eine philosophisch zu begründende Staatsart
annehmen, und die Grundsätze derselben auf alle noch so ver-
schiedene, im innersten Principe abweichende, deutsche Staaten
anwenden wollte. Er werden vielmehr von den verschiedenen
philosophischen staatsrechtlichen Systemen mehrere hier ge-
braucht werden müssendenn, es sind nicht einmal alle diese
Staaten Rechtsstaaten, Einige, z. B. die beiden hohenzol-
ler'schen Fürstentümer sind offenbar Patrimonialstaaten; die
übrigen freilich gehören zu der itzt so allgemeinen verbreiteten
Gattung der Rechtsstaates. Allein auch unter ihnen treffen wir

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