Full text: Volume (Bd. 6 (1829))

württembergischt Recht. 145
keiner der drei christlichen Confcssionen gehört, denen Bundes»
Acre und Verf. Urk, volle bürgerliche Rechte eingeraumt haben,
welche namentlich nicht zur lutherischen Kirche, auS der ste aus-
gieug, zu rechnen ist, da sie nach der gemeinsamen Erklärung
des Consistvriumö und der Synode Artikel in ihr Symbol aus-
genommen hat, welche die Augsburg'sche Confession als ketzerisch
verwirft; und welche dann auch in Folge ihres Glaubensbe-
kenntnisses von dem verfassungsmäßigen Kirchenregimcnte der
lutherischen Kirche eximirt, und einer reinen Staats-Aufsichts-
behörde unterworfen worden ist. Diese Gemeinde nun hat
auf der einen Seite, und zwar eben in Folge ihrer Trennung
von dem bisherigen kirchlichen Verbände, manche Privilegien
vom Staate erhalten; nicht nur darf sie nämlich ihre geistli-
chen und weltli'Acn Vorsteher wählen, sondern sie hat sogar
noch das rein bürgerliche Vorrecht erhalten, daß kein Zunft-
zwang bei ihr besteht; auf der andern Seite ist aber der Stif-
ter der neuen Gemeinde selbst in die St. Vers, zugclasscn wor-
den. Für Beides wissen wir keine genügenden Gründe uns an-
zugeben. Will man auch, um mit den Privilegien zu begin-
nen, ununtersucht lassen, in wie ferne diese Gemeinde Recht
hat in ihren religiösen und kirchlichen Ansichten, so kann wenig-
sten» die Frage nicht unerwogen bleiben, in wie ferne eine
Trennung von der Kirche, welcher zwei Drittheile aller Würt-
temberger und der König selbst angehören, zu einer bedeutenden
Bevorzugung in bürgerlichen Verhältnissen Anlaß geben kann?
Wir gestehen frei, den Zusammenhang nicht einsehen zu können»
Laßt er sich nicht denken, daß in der itzigen, ohnedem nicht
sehr kirchlichen Zeit ein solches Beispiel mit der Zeit mehr Nach-
ahmer finden könnte, als für die Ordnung im Staate und für die
wahre Neligiosüat wünschenswcrih wäre. Und warum wird
überhaupt Befreiung von Zünftgesctzen nicht Allen cinge-
raumt, wenn solche ein Vortheil ist, warum bloS religiöse»
Krlt. Aeitschr. VI. 1. io

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