Full text: Volume (Bd. 6 (1829))

ii2 Uebersicht über das
Kapitel in Mohl's StaatSrecht ist der einzige Versuch, alle
diese Bestimmungen nach ihren Würkungcn zu entwickeln, und
wir sind überzeugt, daß eine Menge von Personen, welche den
nackten Satz in der Verfassungs-Urkunde als etwas sich von
selbst Verstehendes, vielleicht Unbedeutendes betrachteten, sehr
erstaunt sind, hier zum erstenmal zu hören, was eö für eine
wichtige Bewandtniß mit demselben hat, ferner daß Viele, die
recht gerne den kurzen allgemeinen Grundsatz sanctionirten, und
noch weit volkethümlichere eben so gerne sanctionirt hatten,
nun kaum den Muth haben, die Folgen dieses Satzes fest in'S
Äuge zu fassen, und sich zu Her gefährlichen Wahrheit zu er-
heben, daß es um einen Staatsbürger in einer constitutionellen
Monarchie doch etwas anderes sei, als um den Unterthanen in
einer absoluten Einherrschaft, der bis zum niedersten Polizei-
bedienten herab Jedem blind gehorchen muß. Gerade in die-
sem Puncte ist in W. der konstitutionelle Geist noch sehr wenig
vorgeschritten. Wir hoffen jedoch, daß die Zeit und die ein-
zelne Gelegenheit diesen Geist wecken und nähre» werden. An
dieserHoffnung berechtigt uns namentlich auch die große Aufregung,
so wie die verhältnißmäßig große literarische Thatigkeit, welche im
verflossenen Jahre, wenigstens über Einen-Punct des staatsbür-
gerlichen Verhältnisses entstanden, nämlich bei Gelegenheit des
Gesetzes über die bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten, wel-
ches von der Negierung an die Stande gebracht, und von die-
sen auf dem außerordentlichen Landtage von 1828 mit Modi-
sicationen angenommen wurde.
Seit Einführung der Verfassung hatte kein Gegenstand das
öffentliche Interesse so sehr in Anspruch genommen, und zwar
war die beinahe allgemeine Stimme gegen die für die Juden
vvrgeschlagenen Verbesserungen. Das Gesetz wurde mit Leiden-
schaft mißbilligt, und als überflüssig, gefährlich und in jedem
Falle von den Juden nicht verdient angesehen. Und selbst itzt
noch

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