Full text: Volume (Bd. 4 (1828))

36

Strafrecht. "■
die Bestrafung rechtswidriger Handlungen eine A u s nähme,
machen soll! Denn nur, wenn sie eine solche machen würde,
könnte sie zum jus singulare gehören.
Auch sehr viele Criminalisten verneinen durchaus jene
Frage, bald aus ^gleichen Gründen, bald weil das Princip,
daS sie an die Spitze des Strafrechts stellen, auf eine solche
Verneinung führt, bald auch, weil sie wirklich glauben, von
unfern Gesetzen werde die Frage verneint. —' Wenn wir auch
von allem Einstusse einer Strafrechtstheorie hier abfehcn wollen,
so ließen sich für Verneinung der Frage allerdings bedeutende
politische Gründe anführen. Es ist gewiß etwas sehr Ger '
fahrlicheS, wenn der Richter Handlungen, welche nicht aus-
drücklich in den Gesetzen für strafbar erklärt sind, nach der
Analogie einzelner Gesetze und dem Geiste der Gesetzgebung '
strafen darf. Wer steht dafür , daß der Richter den Geist rich-
tig auffaßt, daß er nicht se ine n Geist und seine W i! l k ü h r •
an die Stelle des Geistes der Gesetze setzt, gerade in einem '
Punkte, in welchem, wie überhaupt beim Auffassensollen des
Geistes eines Ganzen, cs sehr'schwierig'und beinahe unmög-
lich ist, Jrrthum und Parth'cilichkcit gehörig zu controlliren und
zurechtzuweisen. Deßhalb würde Res., wenn <ie lege con-
denda die Rede wäre, immer für die Verneinung jener Fra- '
gen stimmen, und häufig finden wir sie wohl aus gleichen -
Gründen meist in den neuern Entwürfen zu T. Strafgesetz. '
büchcrn, und bei manchen besonders sehr freisinnigen un&' polt.,J
tisch freien Völkern, wie in England, verneint.
Es lassen sich aber auch von der andern Seite leicht Grün-
de finden, warum selbst bei solchen Völkern diese Fragen nicht
immer verneint wurden. Die Römer bejahten sie sogar im den
Zeiten bei'Republik, in welchen Volksversammlungen und an-
dre Gerichte oft Handlungen bestraften, weiche-durch kein Ge-
setz ausdrücklich verpönt waren. Wenn nähmlich die Legislation

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer