Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1828))

Savigny, Recht des Besitze-. Ste Aufs. Z?r
sio. so ist es leicht möglich, daß eine scheinbare Uebergabe in
der That gar keine Uebergabe ist, weil die possessio nicht va-
cua tft. ES hat demnach v. S. vollkommen Recht, wenn er
sagt, man habe durch den Ausdruck vacuae possessionis tra-
ditio bei der Uebergabe eines Grundstücks bezeichnen wollen,
daß nicht etwa ein Dritter dasselbe animo besitze.
Um den Begriff des uneigentlichen (Rechts-) Besitzes —
juris (quasi) possessio — hat v. S., wie wohl niemand laug-
nen wird, das entschiedenste Verdienst. ES ist davon im §. 12.
die Rede. Dort wird gezeigt, daß von einem solchen Besitze
nach römischem Rechte nur bei den Dienstbarbeitsrechten die
Rede sein kann. Hiebei mag zur Erläuterung des Sprachge-
brauchs folgendes dienen. Das Vermögen besteht nach der An-
sicht der römischen Rechtsgelehrten aus corpora (körperlichen
Sachen) und jura (unkörperlichen Sachen). Wer nämlich eine
Sache als sein Eigenthum oder mit einem eigenthumsahnlichen
Rechte besitzt, der kann die Sache geradezu als Gegenstand des
Vermögens angeben, ohne Mißverständnisse zu erregen. Wenn
er dagegen blos ein Dienstbarkeitsrecht an der Sache besitzt,
oder wenn er vielleicht gar nur einen Anspruch in Ansehung
derselben machen kann; so ist es vor allen Dingen nothwendig,
das Recht zu.bezeichnen, welches er sich an der Sache beilegt,
und dann erst die Sache als den Gegenstand dieses Rechts auf-
zuführen. Auf dieser Ansicht, welche so natürlich ist, daß wir
noch heut zu Tage bei der Anfertigung jedes Vermögcnsver-
zeichnisseß von ihr ausgehen müssen, beruht offenbar die Ein-
theilung in corpora und jura, und daher auch die Eintheilung
in res corporales und res incorporales, welche man so oft
getadelt bat, weil man es übersah, daß res hier nicht einen
äußern (d. h sinnlichen) Gegenstand bezeichne, sondern so viel
als ein Vermögenssiück bedeute (wie denn auch wohl das ganze
Vermögen mit dem Ausdrucke res bezeichnet wird). Ein kör-

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