Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1828))

Savigny, Recht des Besitzes. 5te Avfl. 367
neuesten Auflage unverändert geblieben. Auch wird man ihr
im Gänzen den Beifall schwerlich versagen können: eine kleine '
Berichtigung scheint mir aber dennoch nicht unmöglich.- Ich
denke mir nämlich den Zusammenhang auf folgende Weise.'
Bei den römischen Rechtsgelehrten hat bekanntlich'der Ausdruck
naturaliter possidere eine doppelte Bedeutung. -Einmal Ver-
sieht man darunter den Besitz, dem-^alle rechtliche-Bedeutung
abgcht, weil der Besitzer selbst sich nicht einmal ein Recht bei-
zulegen gedenkt: wo daher auch wohl (in rechtlicher Beziehung)
alles possidere gelaugnct wird.- Sodann versteht man aber
auch einen Besitz darunter, der. zwar mit der Absicht Verbunden
ist, ein Recht an einer Sache auszuüben/und daher-auch viel«-'
leicht nicht ohne rechtliche Wirkungen bleibt, der aber dennoch
als ein rechtlich mangelhäfter Besitz erscheint/- und-daher auch
nicht ein civiliter pos-idere genannt werden'kaiin/ ' Die recht-'
liche Mangelhaftigkeit , wodurch sich- das naturaliter possidere
von dem civiliter possidere unterscheidet, ist aber nr der Be-
schaffenheit deö Besitzes zu suchen/-- Das civiliter possidere
muß nämlich verneint werden, wenn entweder! 'l/der Besitzer
nicht als ein Berechtigter gedacht werden kann, oder 2. die be-
sessene Sache nicht als möglicher Gegenstand des behaupteten
Rechts denkbar ist, oder 3. die Entstehung des Besitzes von
der Art ist, daß sich sogleich die Unmöglichkeit ergiebtj aus ihr
das angebliche Eigenthum zu rechtfertigen. Dem gemäß wird
i. dem Sklaven- das civiliter possidere abgesproche» (R. t>. B.
S. bo.): auf ähnliche Weise würde 2. das civiliter possidere
hei einem freien Menschen geläugnet werderi müssen j der als
Sklave besessen wird. Endlich isk z. das civiliter possidere
bei allen denjenigen gelaugnct j welche blos auf-eine-Pachtung
oder auf ein commodatum döcr depositam sich berufen kön-
nen (I. 2. §. l, D. pro berede, 41. 5)* Denjenigen, welche
ihre Besitzerwerbung aus einer Schenkung unter Ehegatten her-

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