Full text: Volume (Bd. 4 (1828))

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Römisches Recht.
man ihn mit Hu fei and ein präsumtives Eigenthum nennen
könne, insoferne als der Grund des ihm verliehenen Schutzes
auf der allgemeinen Vermuthung beruht, der Besitzer dürfte _
wohl auch der Eigenthümer fein (S. 10), Daß diese Änsicht
nicht umgestürzt wird durch die Bemerkung, daß diese Dermu-
thung gar oft (z. B. beim Diebe) widerlegbar sein würde, ver-
steht sich von selbst: denn der Zweck des dem Besitze auf dem
Grund einer allgemeinen und nur in dieser Allgemeinheit rich-
tigen Vermuthung beigelegten rechtlichen Schutzes würde gros-
sentheils verfehlt werden, wenn man bei den Besitzstreitigkeiten
dergleichen auf Widerlegung abzielende Untersuchungen zulassen
wollte: cs genügt, daß für denjenigen, der das Recht selbst
nachzuweisen vermag, das petitorium offen gelaffen ist. —
Betrachtet man nun diesen rechtlichen Schutz genauer; so su-
chen wir einen Ausfluß desselben zunächst darin, daß die ge-
waltsame Verthctdigung des Besitzes für erlaubt gilt.
Diese Folge greift allerdings über das Privatrecht hinaus: aber
ihr rechtlicher Grund ist nichtsdestoweniger ein privatrechtlicher:
auch ist sic in der Lehre von privatrechtlichen Folgen der Un-
bilden und in der Lehre von den widerrechtlichen Beschädigun-
gen von dem sichtbarsten Einfluß. Zwar meint v. S., die
Nothwehr sei nicht blvö bei dem juristischen Besitze, sondern
auch bei der Detention möglich und erlaubt: daher könne auf
keinen Fall das Recht der gewaltsamen Selbstvertheidigung als
Folge des (juristischen) Besitzes gedacht werden. Aber ist denn
der Vordersatz erweislich? Die I. 1. C. unde vi sagt eher das
Gegentheil, und S. muß die Stelle künstlich zu umgehen su-
chen. Allerdings wird man zugeben müssen, daß demjenigen,
welchem ich eine von mir besessene Sache zur Obhut übergeben
habe, ebenfalls das Vertheidigungörecht zustehe. Aber übt er
es denn in eigenem Namen? Muß er nicht vielmehr als ein
von mir mit der Berthcidignng beauftragter Stellvertreter an-

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