Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1828))

i88 • G erichtliche Medicin.
Ordnung aber ist forensisch wichtig , daß mit diesen krankhaften
Zuständen ein körperlicher Factor zur Seelenstörung gegeben
ist. Sie müssen also als Verdächtige den Arzt und durch, ihn
den Richter-ganz besonders aufmerksam machen, die Frage über
Scelensiöning zu stellen und jeden Weg zu ihrer Ausmittlung
einzüschlagen. Entweder muß dastn- die! Untersuchung-das po-
sitive Resultat einer nicht vorhandenen oder wirklich Vorhände«
nest Seelenkrankheit geben, oder, ^ was bei Anständen, welche
gegen die Seele-,-wie ein Magneti gegen die Nadel, -schon auf
halbem Wege Bewegungen derselben-verursachen,'sehr natür-
lich ist, der Arzt bleibt zweifelhaft, und dann sollte.er, statt
sich in Subtiliiäten einzulasten)welche wenigstens für den Rich-
ter nur bedeutüngs-'und nutzlos seyn können, sein, übrigens
wissenschaftlich ausgeführtee, Urtheil negativ abgeben: „in vor-
liegendem-Fallr -kann die Freiheit nicht ausgcmittelt werden";
rin Urtheil) das in dieser Form, wahrer, brauchbarer und
wirksamer ist, 'als' ein auf künstliche und zweifelhafte Di-
stinktionen von Gebundenheit ; gemischter Persönlichkeit > ,Unrei-
fe rc:- basirkcs-3 positive-. . So wenn Heinroth für dix.Truns
kenheit/OigewaltsameÄlufregung'thjorischer Triebe rc. die eigene
Abthcilung für nöthig halt und macht„gemischte persönliche
Zustande mit organischer Gebundenheit, die aber eine Folge
freier Selbstbestimmung ist", so ist.er hiebei offenbar im Prin,
cip und in-der Anwendung inconseguent. Er ist es im Prm-
cip, weil er-hier-auf einmal das pshchologisch-pathologlsche
verlaßt, und ein athiologischcS wählt, bei dessen Benützung er
überdieß völlig aus der Rolle des Arztes fallt und die des Rich-
ters sich anmaßt;'denn die medicinische Bedeutung der,Trun-
kenheit rc. gewinnt und verliert entfernt nichts, durch das ur-
sächliche Moment der Selbsivcrschuldung, und es ist ein po.
litischer Grund, der den Arzt nichts angeht, wodurch die
Rechtspflege bestimmt wird, das forensische Derhaltniß der will-

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