Full text: Kritische Zeitschrift für Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1828))

Georg et, ärztl. Untersuch. d. Crim. Proc. 187
Ref. will davon nichts sagen, daß diese Reihe entweder
zu ausgedehnt oder unvollständig ist, und daß die'Glieder der»
selben ohne ein ordnendes Prinzip wie zufällig unter einander
gestellt sind, nur das rügt er besonders, daß. der Vers, das
rechtliche Vcrhaltniß dieser körperlichen und Seelen-Zustande
viel zu unbestimmt gelassen hat,, ein Fehler übrigens, den 05
mit den meisten deutschen mcdicinisch - forensischen Schriftstellern
theilt. Wenn Zurechnungsfähigkeit gleichbedeutend ist mit dem
Vorhandenscpn des Bewußtsepns und der Selbstbestimmung,
d. h. dem Besitze der persönlichen Freiheit, und Zurechnungö»
Unfähigkeit gleichbedeutend mit Abwesenheit oder Verlust der«
selben; so kann es keine Grade von Zurechnungsfähigkeit geben,
denn eö gibt keine Grade von Freiheit. Freiheit,ijl ein Abfo.
lutes, Untheilbares. Jene Krankheitsformen müsscn.also. an
sich entweder die Zurechnungsfähigkeit aufheben,,,. oder ujchs.
Und so ist eS. Delirium, Trunkenheit,. Somnambulismus,
Schlaf-, und Traumzustand heben die Zurechnungsfähigkeit ab.
solut und so gewiß auf, als Manie, Meiancholie rc., .so wie
sie Epilepsie, Hypochondrie, Hysterie, .Schsvangerfchaft rc. an
sich durchaus nicht aufheben, und wenn sie eö thun.sollen, es
nur thun können, wenn: sie Seclenstörung geworden sind. Aber
was der Arzt bei beiden Ordnungen bemerken und bemerkbar
machen muß, ist bei der erstem da», daß hier der Zustand von
Unfreiheit ein vorübergehender ist, der, so gewiß er während
seines Daseyn« die Bedingungen der Zurechnung völlig aufhebt,
so wenig auf Handlungen influirt, welche nach seinem Ver-
schwinden begangen werden, also eine vollkommene Zurechnungs-
fähigkeit zurücklaßt, was bei. den Seelenstörungen im engem
Sinn nicht der Fall ist, indem diese die Bedingungen des In.
termitlirenö und Necidirens an sich tragen, abgesehen' davon,
baß bei ihnen Krankheit und Gesundheit nie in jenem deutli-
chen und beweisbaren Gegensätze erscheinen. Bei der zweiten

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