Full text: Volume (Bd. 4 (1828))

Ltlitschk Richksscschichte.

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Gang unsrer Geschichte und der Hauptkcim der Entwicklung
unsrer gegenwärtigen staatsrechtlichen Existenz hängt auf das
innigste mit jener Einrichtung zusammen; wenn es gleich ein
starker Mißgriff sepn möchte, alle diese Eigenthümlichkeit aus
der Letzteren, die selbst nichts Anderes ist, als eine äußere
Erscheinung des jener Reihe von Thatsachen zu Grunde lie-
genden und in ihnen wirkenden Geistes — insbesondere der
Denkart der Nation —, so wie aus irgend einer andern isolir»
ten Erscheinung der Art erklären zu wollen. Es können solche
äußere Einrichtungen allerdings die Richtung eines Volkes,
oder einer Zeit befördern; aber, wenn schon zwischen dem Geist
und der Form Wechselwirkung statt findet, so ist es doch nicht
die Form, welche den Geist schafft; sie dient blos als Mittel,
ist bloS Organ. Ob sich — nicht in Beziehung auf das eben
Erwähnte; aber, im Ziehen seines Resultats, doch auf ähnliche
Weise — auch unser Verf. von der bloßen Aeußerlichkeit nicht
vielleicht habe blenden lassen, das werden wir im Verlause der
Prüfung seiner Ansicht näher sehen.
Schon in den Anfängen der germanischen Geschichte ist
von Herzogen die Rede. Was Tacitus (German. cap.7,
12. iö. 14. 30. Hist. Lib. IV. cap. 15.) unter dem Namen
Duces, krincipes beschreibt, ist ganz derselbe Begriff,
der im Angelsächsischen mit Heretog (s. die Belegstellen in
Phillips Geschichte des Angelsächsischen Rechts S. iZ- Not.
36.), bei den Franken und Alemannen Herizobo und He-
rizogo, im Latein des Mittelalters Heretochius (f.
Wächter Glossar.) bezeichnet wird — d. h. ein Anfüh-
rer im Kriege, dem in Betracht seiner kriegerischen Tugend
von dem Volke für den einzelnen, bevorstehenden Krieg der
Oberbefehl übertragen wird („deligitor" — „ex virtute su-
munt" des Tacitus), der aber in die inneren Angelegenheiten
der Gauen (wir würden heut' zu Tage sagen: in die Justiz

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