Full text: Volume (Bd. 5 (1829))

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Griechisches Re \>t.

da» griechische Leben aufgefaßt wird, ist keine unmittelbare,
sondern vielmehr durch eine nüchterne Reflexion vermittelt, wie
sie der gemeine Verstand ohne sonderliche Mühe und Kosten
anstcllt, indem der Begriff der jetzigen Cultur überall zum
Grunde liegt, da doch ein jedes Volk nur aus sich selbst erklärt
werden kann, und die Züge und Bestrebungen desselben nicht
wie bloße Aggregate an einander zu reihen, sondern aus dem
inneren Lebensprincip zu entwickeln sind. Dieses in sich leben-
dig werden zu lassen, und gleichsam durch den Geist zu verjün-
gen, ist die Aufgabe des Historikers und Alterthumeforschcrs.
In dem Werke des Herrn v. P. werden nur Einzelheiten ohne
Innern Zusammenhang in einer willkührlichen Aufeinanderfolge
zusammengestellt, durch ein meistenthcils seichtes Raisonnemcnt
miteinander verknüpft, und hin und wieder mit einigen rheto-
rischen Verzierungen verbrämt.
Die Darstellung der griechischen Gesetzgebungen in den ein-
zelnen Staaten eröffnet eine allgemeine Einleitung, welche das
politische Leben der Griechen in seinem Anfänge und Fortgange
überhaupt und ohne Rücksicht auf einzelne Völker schildert. Da
dasselbe zum Theil von der religiösen, sittlichen und intellectuel-
len Bildung abhängt, so ist diese auch mit in die Darstellung
ausgenommen worden. Alle Zustande und Thatigkeiten eines
Volks hängen nun allerdings unter einander zusammen, und
bedingen sich wechselseitig, so daß beim Betrachten der einen
auch die andern in Berücksichtigung treten. Dabei jedoch muß
der Hauptgegenstand der leitende Mittelpunet dergestalt bleiben,
daß alles Sonstige in untergeordneter Beziehung zu demselben,
und in dem Derhaltniß der Bedingungen zum Bedingten gehal,
ten wirb. Ueberschreitet man diese Grenzen, und geht man
auch auf Dasjenige ein, was in ganz entferntem Zusammen-
hänge mit der eigentlichen Aufgabe steht, so verliert die Dar-
stellung alle Haltung, und es entscheidet die reine Willkühr,

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