Full text: Volume (Bd. 5 (1829))

•378 Rechtsphilosophie.
zum. großen Theil sehr richtig, und mit Recht bemerkt der
Vers., daß gerade das durch Gesetzgebung begründete Recht
einer weiteren Begrüydung bedarf, weil dieses von der Bcfug-
Niß zur gesetzgebenden Gewalt abhangt, deren festeste Grund-
lage die in langer Gewohnheit wurzelnde Anerkennung de« Vol-
kes ist. Allein es ist schon früher bemerkt worden, daß die
meisten Gewohnheitsrechte im Grunde durch die Anerkennung
einer verhältnißmaßig sehr geringen Zahl der eigentlich Sach-
kundigen ihr Dasepn erhalten« Hier kann man allerdings nach
einer Rechtfertigung fragen, die aber selbst wieder im Gewohn-
heitsrechte gesucht werden mag: indem es genügt« wenn man
nur allgemein der Ansicht ist, daß die Anerkennung der Sach-
kundigen das Gewohnheitsrecht macht und man sich daher bei
diesem zu erkundigen habe. Sodann aber wäre es möglich,
daß sobald eine Gesetzgebung besteht, das Gewohnheitsrecht mit
den Bestimmungen derselben oder mit dem Geiste derselben un-
verträglich wäre: und insoserne ist ein Beweis, daß dieses
nicht allein nicht der Fall ftp, sondern daß im Gegcntheil die
Gesetzgebung die Gültigkeit des Gewohnheitsrechts ausdrücklich
bekräftige, eben so wenig überflüßig, als es überflüßig ist, die
Möglichkeit einer obligatio durch bloßen consensus vermittelst
Gesttzstellen zu beweisen, obgleich sich dieses naturali rationö
eigentlich von selbst versteht. — 8- Der Vers, zeigt (recht
gründlich), daß es nicht passend ftp, wenn man die Begrün-
dung eines Gewohnheitsrechts aus dem Gesichtspunkte der Au-
tonomie betrachte (S. 155. fgg.). — Das durch Autonomie
festgesetzte Recht ist seiner Natur nach ein dem gemeinen Rechte
entgegenstehendes Recht, was bei deni Gewohnheitsrechte kci-
neswcges der Fall ist» 9. Von dem Werthe des Gewohn-
heitsrechts handelt der Vers. S. 215—254. und würdigt ihn
sowohl von Seiten seines Inhalts als von Seilen seiner
Form. — Man wird dem Vers, schwerlich den Vorwurf ma-

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