Full text: Volume (Bd. 5 (1829))

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Griechisches Recht.

werden, daß der Staat umgekehrt um der Einzelnen, um ihrer
politischen und sittlichen Bildung willen da war. Der ganze
Staatsorganismus, eben so ausgezeichnet durch eine großar-
tige Einfachheit, als durch Einseitigkeit, durch eine gewiße
Harte und Starrheit, und eine widernatürliche Spannung, war
auf einem bestimmten politischen und moralischen Zustand be-
rechnet, und mußte nothwendig mit der Veränderung dieser
Zustandes zu Grunde gehen. Der Hr. Vers-, welcher sich
übrigens in seinen Ansichten nicht gleich bleibt (introd. ©. 45»
T. V. S. 454. VT. S. 65.) führt die Einrichtungen Lycurgr
auf den kriegerischen Sinn zurück, allein die Erweckung dessel-
ben war nicht Zweck, sondern nur Mittel, indem derselbe die
Erhaltung der politischen Selbstständigkeit bedingte, sodann aber
über aller dar erhob, war als Furcht, Sorge, Schmerz, oder
als sinnliche Lust die Freiheit der Seele besangt, so daß sich in
dem kriegerischen Geist die Mannhaftigkeit am vollständigsten
aurpragt. Die gleiche Vertheilung des Landes wird von dem
Hrn. v. P. als ein Gewaltstreich, als eine Verletzung der ge-
setzlich garantirten Eigenthumsrechte dargestellt, allein es ist
schon von Andern bemerkt worden, daß eine solche Theilung
nicht eine Erfindung LpcurgS war, sondern auf einem Princip
deö Dorischen Staatsleben» beruhte, und wie Müller sagt,
im Volke ethisch begründet war. Dem Lycurg. wird es zum
Vorwurf gemacht, daß er die Bürgertugend auf Kosten der
Ratur und des Familiensinns ausgebildet, allein der Staat
machte selbst nur eine große Familie aus, so daß diese in je-
nem aufging, und beide gar nicht in einen Gegensatz treten,
mithin auch kein Widerstreit zwischen den Pstichten gegen den
Staat und gegen die Familie Statt finden konnte.
Die Verfassung der Spartaner mit den Königen an der
Spitze, welche ihre Macht von den Göttern herleiten, und in
ihrer Abstammung von dem Heros der Dorischen Nation ge»

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