Full text: Volume (Bd. 1 (1826))

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Strafrecht.

könne, und man am Ende doch dabei den eigenen Geist
in die Gesetze hineintragen müße. Daß bei seiner Ansicht
das Recht dem wechselnden Winde der Theorieen preisgegcben
werden, dieser Vorwurf treffe eben die Gesetzgebung in allen
Fallen, wo sie den „Rath der Rechtsversiandigen" nöthig ma-
che, und wo dann natürlich jeder sein e r Theorie müße folgen
dürfen. Auch sep eine zusammenhängende Theorie keine unsi-
cherere Norm, als jene schwankende, immerauch nur nach indi-
viduellen Ansichten bestimmte Analogie. — Nef. kann zwar hier
nicht in den Versuch eingehen, zu beweisen, daß unsre gemein-
rechtlichen Quellen, so weit sie für uns anwendbar sind, doch
nicht von einem so heterogenen Geiste beherrscht werden; doch
glaubt er sich.folgende zwei Bemerkungen erlauben zu dürfen:
Bei der Ansicht des Vers, würde, was auch schon Andere be-
merkt haben, der Richter bei dem unbestimmten Strafgesetze
Grundsätze befolgen dürfen, welche den vom Gesetzgeber bei
seinen bestimmten Strafgesetzen offenbar befolgten aufs
grellste widersprechen würden, sobald nur der Richter nach sei-
ner Philosophie sie für richtig hielte. Sollte dieß nun aber
dein Willen des Gesetzgebers gemäß sepn? Sollte er wollen,
daß Grundsätze, die er überall verwarf, wo er bestimmte Ge-
setze'gab, vom Richter bei unbestimmten befolgt werden dür-
fen? und sollte nicht gerade ein Hauptnutzen der Analogie,
als Quelle, darin bestehen, daß sie uns zeigt, welche Grund-
sätze der Gesetzgeber offenbar nicht billigte/ und deren Anwen-
dung ,'däher auch bei unbestimmten Punkten seinem Willen ge-
wiß widerspräche? Um hierfür nur ein Beispiel aus der Theo-
rie, nach welcher der Vers, die unbestimmten Fälle beUrtheilen
will, anzuführen: er sagt im JJ. 10S, die Verletzung ursprüng-
licher Rechte sep härter zu strafen, als die erworbener
Rechte. Ist nun aber dieser Grundsatz nicht offenbar dem Wil-
len unserer Gesetzgeber entgegen? Nehmen sie bei der Straf-

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