Full text: Volume (Bd. 1 (1826))

io Staatswissenschaften.
gion und Moral mußten bei ihm ganz wegfallen; doch wird
man die anatomisch-genaue Untersuchung der verschiedenen Fol-
gen der Todesstrafe in Beziehung auf den ebengenannten Ge-
sichtspunkt, wenn sie gleich den Leser auf einen niederen Stand-
punkt stellt, schon deßhalb mit Interesse lesen, weil sie seltener
angestellt wird. Der Derf. spricht sich, vbschon er einige sei-
ner Forderungen an eine Strafe in hohem Grade bei ihr fin-
det, im allgemeinen gegen die Todesstrafe aus, und will sie
nur etwa in Ausnahmsfallen (z. B. bei Empörungen, und bei
gräßlichen Verbrechen) bestehen lassen. Seine Meinung stützt
er hauptsächlich auf zwei Gründe; i) weil die Todesstrafen nicht
erlaßbar, und 2) weil sie höchst ungleich seien, je nach der in-
neren und äußeren Lage deS zu Bestrafenden. Er meint, die
Gesetzgeber—Männer aus den gebildeten und höheren Ständen —
schieben ihre Furcht vor dem Tode fälschlich auch den untern
Standen, und der Classe der groben Verbrecher unter; diesen
sei aber ein strenges lebenslängliches Gefängniß weit schrcchli-
cher. Ref. läugnet die Wahrheit dieser Behauptung geradezu:
der Tod hat für den Mindergebildeten im allgemeinen gewiß
etwas fürchterlicheres, als für den gebildeten Mann, und daß
ewiges Gefängniß habituirten Verbrechern, schon der verschiede-
nen Hoffnungen wegen, denen es immer noch Raum giebt, nicht
das härteste erscheint, darüber kann die Erfahrung keinen Zwei-
fel übrig lassen. Der Tod bleibt für Jeden die härteste Strafe,
dieß hat namentlich Feuerbach in seinem schönen Aufsatze
über die Todesstrafe (Biblivth. II. 1. S. 244, fg.) auf das
klarste erwiesen. Ref. bedauert' sehr, auch den Derf. auf der
Seite unserer itzigen weinerlich-sentimentalen Strafrechts-Pflege
und -Philosophie zu finden, welche sich scheut den. nothwendk-
gen Vertilgungökrieg gegen die geschwornen Feinde aller bürger,
lichen Ordnung und Sicherheit zu führen. Ref. lobt sich jene
„barbarischen" Zeiten, in denen der gewerbsmäßige Jauner und

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