Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

Hebers, üb. die neuern Systeme. 461
gestaltungen, welche seit den letzten Jahrzehenden des vorigen
Jahrhunderts Ln politischer Hinsicht wie in der Wissenschaft der
Philosophie, sonach auch der Rechts-Philosophie eintraten, und
deren Folgen sich hier gemeinschaftlich wirksam zeigen mußten.
Machte die politische Aenderung, namentlich zuerst in Amerika,
dann in Frankreich (neben vielen bedauernswürdigen Jrrthü-
mern) auch viel Wahres, besonders die allgemeinen Menschen-
rechte-geltend, welche jetzt erst öffentlich zur Sprache kamen,
so mußte dieses bald für das Criminal-Recht die Wirkung ha-
ben, daß man mehr als sonst erkannte, der Mensch, selbst als
möglicher Verbrecher, dürfe keiner Willkühr Preis gegeben wer-
den, sondern nur unter dem Recht und Gesetz stehen, und hie-
mir stimmt die Philosophie des Rechts völlig überein, so daß
wenigstens in dieser Hinsicht ein innerer Zusammenhang der po-
litischen und philosophischen Ansicht des Zeitalters nicht geleug-
net werden kann. Die Behandlung der Logik, der Schlüffe,
die Untersuchungen über Gewißheit, Wahrheit, und deren Ge-
gensätze, mußten die frühere. Lehre der Zuläßigkeit der Folter
in ihrer Nichtigkeit und Ungerechtigkeit offenbaren, und so be-
reitete sich besonders in dem, was den Gegenstand des allge-
meinen TheilS und des Criminal- Pr0 cesses auSmacht,
eine neue Gestaltung vor, wahrend bei der Lehre der b eso Wi-
dern Verbrechen nur in Ansehung der Strafen eine
Neuerung statt fand, die durch die Praxis vorbereitet war,
welche, indem sie die zeitgemäßen Ansichten auffaßte, die Stra-
fen der Körper-Verstümmlung nicht mehr zuließ, thcil-
weise die Härte andrer Strafarten milderte, und auf den Grund
verbesserter polizeilicher Anstalten die Freiheitsstrafen als
regelmäßige eknführte.
Für die Wissenschaft war nun die Aufgabe, die neue noth-
wendige Form auszusprechen, während die Sache selbst sich be-
reits zu bilden begonnen hatte, und die allgemeinen Principien

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