Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

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Gebers. üb. die neuern Systeme.
Haltnisse gegebene, folglich nicht bloö willkürliche Form. Diese
Verwandtschaft der Form mit dem Inhalt zeigt sich z. 33. bei
einer Darstellung des Römischen Aktionen-Rechts, oder der
Vertrage. Denn wenn man gleich zugeben muß, daß nach all-
gemeiner Würdigung des Begriffs und Wesens des Vertrages
und der besondern Vertrage in ihrer unendlichen Manchfaltigkeit
im bürgerlichen Verkehre, eine ganz andere Art der Gassifici-
rung erfordert wird, wie die Römische, so ist doch, wie eS
auch meist in unfern Lehrbüchern geschieht, für die historische
Darstellung der Römischen Vertragslehre die Form eine
nothwendige; nehmlich den, von so vielen practischen Fol-
gen begleiteten Unterschied der pacta und contractus, und bei
diesen letztern wieder den der rein formellen, von den an-
dern die Art der Leistung oder den Inhalt bedingten, fest-
zuhalten; eine Unterscheidung, welche für die Darstellung des
Germanischen Rechts ohne Sinn sepn würde. Giebt man
nun zu, daß auch selbst das Römische Recht in dieser Lehre,
wenn man es für die heutige Anwendbarkeit vorträgt, nicht
mehr nothwendig an jene Form gebunden sey, und daher nicht
unzweckmäßig auch nach andern Gesichtspunkten dargestellt we>
den könne, wie es z. B. Heise gelhan hat, weil für uns der
Unterschied von pacta und contractus die Eigenthümlichkeit der
Stipulation rc. mit ihren processualischen Folgen nicht mehr
besteht, so ist dieß mit obiger Behauptung nicht im Widerspruch,
sondern völlig vereinbar. Für uns hat nehmlich jene dem In-
halte deö Römischen Rechts einst nothwendige Form aus-
gehört, eine nothwendige zu sepn, sie ist eine leere und gleich-
gültige, und nur noch für die historische Darstellung wesentlich;
hingegen für die Theorie des geltenden Rechts ist eine andere
aus dem Begriff und Inhalt des Vertrags hervorgehende Form
gegeben, und jene frühere kommt nur noch in Betracht, in so
fern man beliebig ein äußeres Schema sucht, und unter andern

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