Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

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Eivil'Proceß.

Was die Schrift im Allgemeinen betrifft, so mag der Um.
stand, daß sie für angehende, und, wie es im Vorworte heißt,
junge RechtSgclehrte bestimmt ist, ihr zur Entschuldigung ge-
reichen, wenn, sie keine neuen Resultate liefert; gerade dieser
Umstand gereicht ihr jedoch, was die Methode betrifft, zum
nicht geringen Vorwurf. Der Verf. hat in der Gönner'schcn
Manier gearbeitet; Gönner'S Abhandlungen selbst aber sind,
mit einigen Ausnahmen, mehr für altere GeschüfflSleute ge,
schrieben, die, wenn sie solche in den VerdauungSstundcn halb»
wachend durchgelesen, in zufriedener Selbsttäuschung studirt
zu haben glauben. Der jugendliche Geist muß an der Ge»
schichte, diesem Baume der Erkenntniß, aufranken, soll er
Früchte tragen , im Dunste raisonnirenden Wortschwalls wird
er nie zur Reife gelangend Auch das kann Rec. nicht billigen,
Laß der Verf. nirgendwo die Belege feiner Behauptungen giebt.
Das Aufsuchen dieser Belege ist zuvörderst dem Autor selbst
ersprießlich, es führt zu gründlichem Studium, zu ernstem
Nachdenken, cö berichtigt irrige, und bringt auf richtigere An-
sichten. Sodann soll die Jugend nichts auf Treu und Glauben
annehmcn, vielmehr in den Stand gefetzt werden» selbst die
Gründe des Lehrers zu prüfen, und auf solche Weise ihn und
sich achten lernen.
Recensentens Absicht war es übrigens keineswegs, den
wohlmeinenden, wie es scheint, jugendlichen Verfasser cinzu»
schüchtern, er glaubte vielmehr der eigenen Einsicht und Ueber-
zeugung nach ihm die Richtung anzeigen zu dürfen, in welcher
er die betretene schriftstellerische Laufbahn mit Glück verfolgen
könne.
Gvldschmidt.

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