Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

3o8

Staatsrecht.

Wiederkauen der einzelnen Satze in allen Zeitungen, Flugschrif-
ten und Ständeversammlungen ist eine nur zu große Neigung
in alles Volk gekommen, die wirklichen Verhältnisse und Ein-
richtungen des einzelnen Staates, auch wenn bestimmte Gesetze
oder Gewohnheiten vorhanden sind, nach solchen allgemeinen
Sätzen zu beurtheilen, und sie darnach ordnen-und-ändern zu
wollen. Daß aber diese Ideologie, bei der so allgemein ver-
breiteten Unbekanntschaft mit dem zu behandelnden Stoffe, näm-
lich den einzelnen positiven Staatseinrichtungen, und bei dem
großen Mangel an Real-Kenntnissen nichts taugt, darüber kann
die schmerzliche Erfahrung der vorigen und der itzigen Genera-
tion keinen Zweifel übrig lassen. Es ist daher gewiß nicht an
der Zeit, diesen —. wo nicht gefährlichen doch höchst beschwer-
lichen — Geist der hohlen Verallgemeinerung noch mehr zu
nähren, vielmehr im Gegentheile scheint eS dringend nothwen-
dig, und wahre Pflicht eines jeden Publicisien zu ftpn, durch
Darstellung positiver Staatseinrichtungen, durch beständige
Belehrung über .das Bestehende, seine Gründe und seinen Zu-
sammenhang, durch geschichtliche und dogmatische Erläuterung
den leeren allgemeinen Sätzen Consistenz zu geben, um wo
möglich dm Geist der Zeit in eine andere Bahn zu leiten.
Ref. vermag daher weder schriftstellerische Thatigkeit im Ge-
biete der Staatsrechts-Metaphysik als ein practisches Verdienst
anzuerkennen, noch viel weniger aber gar den Wunsch.Are-
lin's zu checken, daß eigene Lehrstühle-für dieses (reine) kon-
stitutionelle Staatsrecht auf allen Hochschulen möchten errichtet
werden. Man sorge für ein besseres (also natürlich von philo-
sophischem Geiste und von der Rücksicht auf die allgemeinen
theoretischen Grundlagen durchdrungenes) Studium der positi-
ven Landessiaatsrcchte; daran thut es Noth für den künftigen
Staatsmann und Volksvertreter, nicht aber an noch weiterer

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer