Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

Vom Justizmorde, ein Votum der Kirche. 221
Christenheit, daß sie aus Achtung vor dem christlichen Geiste
die Todesstrafe überhaupt ab sch affen mögen/"
Hierauf giebt der Verf. (von S. 70 — 75.) Andeutungen
zur Ausgleichung seiner Idee mit der Wirklichkeit.. Nur
wer über Recht und Christenthum klar sei, könne bei Beurthei-
lung seiner Ansicht eine Stimme haben. Uebrigens wolle er
'keinesweges dieser strengen Verwerfung der Todesstrafe irgend
einen Einfluß' auf die Thatigkeit der Urtheilsverfasser, oder
wohl gar der unmittelbaren Diener der Kirche beigelegt haben;
nur an die christlichen Fürsten wendet sich der Verf., ob-
schon nicht verkennend, daß große Vorsicht hier anzuwenden und
nichts vorschnell gegen das allgemeine sittliche Vvrurtheil eines
Volkes anzuordnen sei. Endlich spricht er (S. 75.) mit Zuver-
sicht aus: „Es wird eine Zeit kornmen, die Stunde weiß nie-
mand, da man erzählen wird von der Barbarei, welche mein-
te, Gott einen Dienst damit zu thun, daß die Gesetze Menschen-
und Christenblut vergößen."
Von S. 76—110. folgen nun Noten zu der Schrift, ein
reichhaltiges Supplement, dessen Anordnung uns zugleich lo-
benswerth scheint.
Ließ der Inhalt. Wir erlauben uns noch über Plan, Idee
und Einzelnheiten einige Bemerkungen.
Wenn (nach S. 10.) die Beurteilung der Todesstrafe aus
christlichemSrandpunkte nicht durch Stellen der heiligen
Schrift, sondern nach allgemein anerkannten Grundsätzen des
Christenthums vorgenommen wurde, weil der christliche Geist
■ erst in sehr spaten Zeiten auch das Staatsleben, zu durchdrin-
gen begonnen habe; so ist vorerst dieser Grund wohl in Zwei-
fel zu ziehen. Der ganze Römische Staat bis in die kleinsten
Theile des Privatrechts wurde seit Einführung des Christen-
thums ein durchaus anderer, sein Recht hörte auf acht Römi-
sches zu sein und wurde allgemein menschliches Recht. Con-

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