Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

Vom Justizmorde, ein Votum der Kirche. 219
aus der Geschichte der Gesetzgebung wird die Meinung von der
bedeutend abschreckenden Kraft der Todesstrafe widerlegt. Es
wird Aegypten unter SadaroS, China unter den Tscheon, Ruß-
land unter Elisabeth zum Beweise angeführt, daß Abschaffung
der Todesstrafe die Zahl der Verbrecher keineswegs vermehrt,
sondern vermindert. (Ref. fügt noch. Rußland unter Cathari-
na II. hinzu; m. s. deren Instruction zur Verfertigung eines
neuen Gesetzbuches, Cap. VII. §. 79. Cap. X. §, 210. Auch
konnten die Nordamerikanischen Freistaaten in der neuesten Zeit
angeführt werden. — Zu S. 54* muß Ref. bemerken, daß
auch in Sachsen, wie in Baiern, selbst der vollständigste Jndk-
cien-Veweis ohne eignes Geständniß des Verbrechers zur Voll-
streckung der Todesstrafe nicht genügt.) Aus allen bisherigen
Erörterungen geht dem Verf. (S. 57.) das Resultat hervor,
daß die Rechtmaß igkeit der Todesstrafe sich keines-
wegeö darthun lasse.
Bei der Würdigung der Ansicht der Praktiker, die sich auf
die No LH Wendigkeit der Bestrafung mit dem Tode stütze,
unterscheidet nun der Verf. die absolute Nothwendigkeit der
Todesstrafe von der relativen oder der bloßen Nützlichkeit
derselben für den Staat. Absolut nothwendig und eine un-
vermeidliche, selbst durch das Begnadigungsrecht nicht abwend-
bare (S. 61.) Norhwehr des Staates sei die Tödtung nur:
1) im Falle des die Existenz des Gemeinwesens auf's Aeußer--
ste bedrohenden Hochverrats (S. 58 — 60.), wo bei den
Römern des SCtum extremae necessitatis eintrat. 2) In ei-
nigen Fallen des Kriegrechts, nämlich a) bei Verratherei
durch Spione, I») bei jedem Verbrechen der Feigheit. Die
andern Todesstraf-Falle nach herkömmlichem Kriegsrecht, insbe-
sondere bei Subordinationßfehlern, weist der Verf. (S. 62.)
ab. sRef. meint, daß, wenn ein Subordinationsfehler zum
völligen Ungehorsam wird, der Zustand der Nothwchr des

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