Full text: Volume (Bd. 2 (1827))

Backe und Untcrholzner, über Frucht-Eriverbung- 2o5
Erwerbe der Früchte auf die b, f. des Besitzers zur Zeit der
Perception ankomme.
Obgleich nun'aber-diese und mehrere andere einzelne Sa-
tze äußerlich ganz richtig ausgesprochen und bewiesen sind, so
kann doch nicht behauptet- werden, daß eine Einsicht in die Na-
tur des Frucht-Rechts schon völlig gewonnen sch; so lange dieses
aber nicht geschchn ist, tappen wir immer noch im Finstern und
werden nothwendig bcy Beantwortung einzelner praktischer Fra-
gen schwanken oder in Irrthum verfallen. Da ich über diese
Lehre selbst einmal ausführlicher zu schreiben gedenke, inzwischen
aber doch auch eine Gelegenheit zur Anregung des Nachdenkens
Anderer nicht ungenutzt vorbeylaffen mag, so erlaube ich eö
mir,'hier-wenigstens auf die Hauptpunkte, auf denen die Na-
tur dieses Erwerb- beruht, vorläufig hinzuweisen. Freylich
muß ich dazu mich des Schlüssels zur Erkenntniß des ganzen
Römischen Rechts bedienen und folglich etwas weit ausholen.
Allein ohne den Hauptschlüssel kommt man auch nicht in das
kleinste Kämmerlein des Hauses, es sch denn auf unrechtmäßi-
gem Wege (Ioh. 10, 1, 2.).
1) Alles was ist -(im menschlichen Recht alle Creaturen)
hat ein doppeltes RechtS-Leben, in welches alle Frepheit und
folglich auch alle Unfrehheit zerfällt: Existenz in sich und Exi-
stenz in der Beziehung (Verhältniß.Leben). Die erste ist daS
Dafepn des Individuums für sich selbst genommen und bildet
in der Freyheit daS suum ius, welches bey Menschen thcils in-
dividuelle (oder Staats-) theils GattungS-Frehhcit, und, da die
Menschen auch andere Individuen sich unterwerfen können, theils
wiederum persönliche, thcils VermögenS-Frepheit ist; in der
Unfreyhcit aber das Eigenthum und bey Menschen die servi-
te. Die zweyte ist daS.gegenseitige Sepn der Individuen zu
einander, wodurch sie sich bevortheilcn und beschränken; und
besteht iure naturali, d. h. ohne Rücksicht auf die besondere

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