Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Nährt Die Anerkennung al- DerpfltchtungSgrund.

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den Beweis der ehemaligen Existenz der Schuld zu führen. — Auf
die Präsumtion, daß ihm der Gegner nicht leicht etwas gezahlt
hatte, waS er nicht schuldete, kann er stch nicht berufen; eö steht ihm
die Vermuthung entgegen, daß er wohl nicht den Empfang abgeleug-
net hätte, wenn die Sache vollständig rein wäre. — Neberhaupt ist
es Prozeßpolitik der Römer, daß man sich auf eine Thatsache später
nicht stützen darf, die man anfänglich leugnete. Wer verabredet,
Gesellschafter gewesen zu sein, verliert, wenn er überwiesen wird,
das s. g. benel. competentias (I- 67 §. 3 D. pro socio 17, 2).
Wer den Empfang eines Darlehens leugnet, kann hernach nicht
Zahlung vorschützen nov. 18 c. 8. ES war dies gewiß richtiger
als jener Mißbrauch der Eventualmarime im heutigen gemeinen
Prozeß, der es ausdrücklich autorisirt, Widersprechendes zugleich an-
zuführen.
Wenn der Empfänger die Zahlung nicht leugnet, und nur
behauptet, er habe auf eine richtige Forderung hin empfangen, dann
entscheidet Paulus folgendermaßen:
praesumtionem videlicet pro eo esse, qui accepit, nemo
dubitat. Qui enim solvit, nunquam ita resupinus est, ut
facile pecunias jactet et indebitas effundat et maxime si ipse,
qui indebitas dedisse dicit, liomo diligens est et studiosus pa-
terfamilias, cujus personam incredibile est, in aliquo fa-
cile errasse; et i d e o eum qui dicit indebitas solvisse, compelli
ad probationes quod per dolum accipientis vel aliquam justam
ignorantiae causam indebitum ab eo solutum.
Man sollte denken, Paulus erkläre stch so deutlich, daß ein
Mißverständniß nicht möglich sei. — Eö liegt in der Zahlung eine
Präsumtion für die Schuld, weil der Zahlende ihr Vorhanden-
sein werkthätig zugestandcn hat, weil regelmäßig die Wahrscheinlich-
keit dafür ist, daß dann, wenn ein sorgfältiger Hauövater sich dazu
verstand, zu zahlen, eine Schuld wirklich existirte. Diese Präsum-
tion muß der Zahlende entkräften, durch den Nachweis, daß er durch
Jrrthum, durch Doluö berückt war.
Doch nur dann hat sie eine Grundlage, wenn die Zahlung
wirklich von einem Manne ausging, den das Recht als einen sorg-
fältigen Hauövater betrachtet. Menschen, die als leichtsinnig und
unerfahren angesehen werden, können auch auö Leichtsinn und Uner-
fahrenheit gezahlt haben. Paulus fährt daher konsequent fort:

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