Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

Bähr: Die Anerkennung als VerpfllchtungSgrund. 499
die eine Vermögensübertragung wegen mangelnder causa rückgängig
machen sollen; eS wäre unerklärlich, warum in die Lehre von der
condictio indebiti die Worte Papintans ausgenommen wurden I. 66.
v. de cond. indeb. 12. 6. haec condictio, quod alterius apud
alterum sine causa deprehenditur, revocare consuevit. — Es
widerspricht der Annahme des Vers, bestimmt, daß die Quellen die
Ausschließung der cond. indebiti selbst motiviren und durchaus nicht
auf einen angeblichen Vertrag, die Schuld gelten zu lassen, zurück-
sühren, sondern aus einer Schenkung erklären:
l. 53 O. de r. j. cujus per errorem dati repetitio est, ejus con-
sulto dati donatio est. 1. 47 D. de operis libert. 38, 1. —
Der Vers, erwidert freilich (S. 69), den animus donandi würde
jeder Jrrthum ausschließen; nun bedarf eS aber derEntschuldbar-
keit zur Condictivn. Folglich reicht der Gesichtspunkt der Schenkung
nicht auö. Dies ist nur scheinbar.
Jn derThatmuß jeder Jrrthum, auf den man sich bei einem
Rechtsstreit berufen will, nach den Principien, die daS römische Recht
konsequent durchführt, entschuldbarsein. — Diese Regel wird ihrer
inneren Bedeutung wie ihrem Umfang nach nicht immer gehörig ge-
würdigt.
Jrrthum ist eine innere Thatsache, er entzieht sich äußerer Be-
obachtung und ist sehr schwer mit Gewißheit zu erkennen. ES ist nun
ein ganz allgemeiner Charakterzug der römischen Jurisprudenz, daß sie
soviel als möglich schwierige, oft unlösliche Streitigkeiten über sub-
jektive Meinungen abzuschneiden sucht, indem sie objektiv greifliche
allgemeine Regeln aufstellt. So thut sie auch in Bezug auf den
Jrrthum.
Die allgemeine Regel, zu der sie griff, mag im Einzelnen hart
sein, im Ganzen erschien sie zweckmäßig. — Lassen sich Verhältnisse
Nachweisen, welche einen verständigen sorgfältigen Mann zu einem
Jrrthum verleiten konnten, so wird ein Jrrthum angenommen; liegen
aber die äußern Verhältnisse so, daß wohl ein Thor, nicht aber ein
ordentlicher Hausvater irren kann, so wird der Behauptung des Jrr-
thums kein Glauben geschenkt; der Beweis des Jrrthnms ist nicht
zu führen. Mit andern Worten: cs tritt eine s. g. praesumtio
juris et de jure ein, daß ein Mensch, der nicht wegen seines Ge-
.schlechts, seines Alters, seines Standes Jrrthümern ausgesetzt ist, auch
im concreten Fall nicht einfältig sei. — Die Unbesonnenheit wird

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