Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

Bähr: Die Anerkennung als Verpflichtungsgrund. 497
weise thun, wenn cs dieser Erklärung ein großes Gewicht einräumt.
— Jeder Beweis eines Rechts ist unvollkommen, das Stützen auf
ein erfolgtes Geständniß wohl das unverfänglichste Mittel. — Im
Ganzen hat denn auch das römische Recht, — wie man es bisher
auffaßte, entschiedenen Werth auf dasselbe gelegt.
Der Vers, aber glaubt der Anerkennung in einer Reihe von
Fällen noch eine weit größere Bedeutung zuschreiben zu dürfen,
als man gewohnt war. — Bisher'erkannte man stets in ihr nur ein
— wenn auch sehr starkes Beweismoment. — Der Verf. nimmt
an, es liege meist in der Anerkennung einer Verpflichtung durch den
Schuldner ein neuer Vertrag, wodurch der Anerkennende sich ver-
pflichte, die anerkannte Schuld gegen sich gelten zu lassen. —
Dieser Vertrag binde ihn formell; ob die anerkannte Schuld existirte
oder nicht, sei von nun an gleichgültig und könne regelmäßig nicht
mehr in Frage kommen. Nur in den wenigen bestimmten Fällen
sei der neue Vertrag ungültig oder anfechtbar, in denen denn auch
Verträge anderer Art hinfällig wären.
Demnach sei denn auch diese „ächte Anerkennung", wie sie der
Verf. nennt, ganz verschieden von der „unächtcn". Dort steige die Be-
weiskraft und falle sie nach den Umständen, nach der Individualität
des Anerkennenden, hier sei die Sache abgeschlossen, für immer ab-
gethan; vorausgesetzt nur daß der Anerkennende Fähigkeit hatte, Ver-
träge mit Rechtskraft abzuschließen.
Eine ächte Anerkennung findet der Vers, im römischen Recht,
vor allem in der Zahlung einer Schuld. Hier gehe stets mit der
EigenthumSübertragung durch den Zahlenden der Vertrag
Hand in Hand, die angeblich eristirende Schuld für immer gegen sich
gelten zu lassen. — Ebenso verhalte cö sich conseqcnt, wenn der Schuldner
eine Stipulation über eine bestehende Schuld abschlöffe, auch hier
finde sich nicht nur ein Versprechen zu zahlen,, sondern daneben der
Vertrag, die alte Obligation als gültig gelten zu lassen. Im heuti-
gen Recht findet der Verf. gleiche Natur im Schuldschein.
Uns scheint dies Alles gekünstelt und dem Parthriwillen wider-
sprechend. — Stellen wir uns auf den Boden der Wirklichkeit, versetzen
wir uns in die Lage einer Person, die Zahlung leistet. Sie über-
trägt Eigenthum, sie zahlt, weil sie an ihre Verpflichtung glaubt;
sie denkt gar nicht an die Nichteristenz der Schuld; würde sie zweifeln,
so würde sie die Zahlung zurückhalten. — Warum sollte sie sich bin-
Krit. Zeitschrift für gesammle Reckt sw. III. Bd. 34

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