Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

490 Maurer: Einleitung zur Geschichte der Mark«, Hof-, Dorf-
Herr Verf. zuvörderst daran, daß nach Nordischem Rechte, tngleichen
nach historischen Zeugnissen aus der vorcarolingischen Zeit, von den
späteren Dorfanlagen die eigentlichen Urdörfer im Norden: Adel-
by, Athelby, auch bloß By oder Adalbol, in germanischen
Urkunden hingegen ganz allgemein: villae, Nachbar- oder Honn-
schasten u.s.w. genannt—wohl zu unterscheiden seien, und daß,
hier wie dort, in ihnen nur Geschlechter (tagen»,) vollbe-
rechtigte Genossenschaft gebildet hätten; dieß aber eben auch einen
Beweis dafür liefere, daß der Ursprung der Ansiedelungen auf Ge-
schlechter zurückgeführt werden müsse. Den Besitz derselben an-
langend, — so zeigt der Hr. Vers., daß solcher die, dem nordischen
Athelby entsprechende, Bezeichnung: Al lob oder Eigen (pro-
prium) zu führen Pflegte, jene von all und od — als voll freies
Besitzthum, diese aber als wahres, aus der gemeinen Mark
geschiedenes, Sondergut. Dabet weiset der Herr Verf. zugleich
nach, daß es als Geschlechterbcsitz dem erworbenen Grundbesitze und
dem Kaufeigen entgegengesetzt wurde und in dieser Entgegensetzung
verschiedene Namen hatte, wie z. B. Loos gut (sors), Lutstall
von Luta, d. h. Loosen, Land (terra ohne Beisatz) zumal aber
terra ssliea und terra vernae ula. Letztere beide Benennungen benutzt
übrigens der Herr Verf. als geeigneten Anlaß, den Gegensatz historisch
und sprachlich zu erörtern zwischen Salland, Hofland oder
Herrenland (Inland im Angelsächsischen) und dem an Colonen
hingegebenen Lande (angelsächsisch Utland).
Die Aufzählung der einzelnen Bestandthetle eines Urdorfs,
und zwar 1) des eigentlichen Dorfs, sowie 2) der Feldmark
ist nun das Weitere, worauf die gegenwärtige Schrift eingeht.
Dabet werden rücksichtlich des ersteren die Wohn- und Wirth-
schaftSgebäude, nebst den Kirchen und Kirchhöfen (§. 10—16.
S. 18—35) von dem inneren Dorfraume abgesondert (§. 17—19
S. 35—39), doch dieser wie jene unter steter Hinweisung auf quellen-
mäßige Belege in historische Erörterung gezogen; hierauf werden
aber die Etgenthümlichketten der altgermanischen Feldmark (von
§. 10—54 S. 40—124) auf höchst lehrreiche und interessante Weise
auseinandergesetzt. Htnsichts derselben thut der Herr Verf. im Allge-
meinen dar, daß ursprünglich kein Gegensatz zwischen Feld- und
Waldmark stattgefunden habe, auch kein Dorf ohne eine Feldmark
und keine Feldmark ohne ein Dorf gewesm sei. Ferner erläutert er,

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