Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 3 (1856))

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Kunhe: Die Obligation und die Singularsuccesston.
bcn wollte, durch Verhandlung mit B, ohne Zuziehung des 6 auf
den B übertragen kann. Aber daß A durch Verhandlung mit 0
ohne weiteres den B zum Gläubiger des 6 machen könnte, das folgt
aus dem Princip der llebertragbarkeit nicht. Umgekehrt folgt aus
der Zulässigkeit der Vertretung, daß A, der eine Forderung an den
6 hat, durch Verhandlung mit 6 dem B eine Forderung erwerben
kann, die an Stelle der eignen Forderung des A an den C tritt.
Wogegen daß A durch Verhandlung mit B diesen an seiner Stelle
zum Gläubiger des 0 machen, auf den B die eigne Forderung an
den 0 übertragen könnte, keine Folge des Vertretungprincips ist. —
Daß aber der Verf. die auf die Vertretung bezügliche Frage schief
auffaßt, behaupte ich darum, weil meines Erachtens bei der mo-
dernen Vertretung keine Obligation für die Person des Vertreters,
nur eine Obligation für die Person dcö Vertretenen entstehen soll,
mithin auch von Ablösung dieser Obligation von der Person deS
Vertreters und von Uebertragung derselben auf die Person des Ver-
treters keine Rede sein kann.
Die Tendenz des Verf., dcö Römischen Rechts Lehren auch
als Grundsätze des heutigen gemeinen RcchtS so lange nur irgend
möglich zu vertheidigcn, soll darum nicht gescholten werden. Sie
scheint weit sicherer und vorzüglicher als die entgegengesetzte, neue
Grundregeln über Halö und Kopf erfinden zu wollen. Ist das Rö-
mische Recht in seiner Gesammtheit recipirt, so muß auch jeder ein-
zelne Satz desselben gelten, bis die Aufhebung desselben zweifellos be-
wiesen ist. Nur darin irrt der Vers., das er auch das Unmögliche zu ver-
theidigen unternimmt, und das Dasein eines derogirenden neueren Rechts
nicht gehörig erkundet. Er forscht nicht nach den Ursachen, die zu Modi-
ficationen des recipirten Römischen Obligationenrechts in Deutschland
führen mußten. Ich rechne dahin die freieren germanistischen Grundan-
schauungen über Formen und Inhalt der Verträge, die wohl momentan
durch die Römischen Lehren unterdrückt werden konnten, aber doch
auf die natürliche Entwickelung dieser Lehren auf deutschem Gebiet
über kurz oder lang wieder Einfluß gewinnen mußten. Ferner die
erweiterten Verkehröverhältniffe, die daö Bedürfniß auch mit Abwe-
senden, mit denen man nicht alle Einzelheiten des zu schließenden
Vertrages unmittelbar verabreden kann, zu kontrahiren, steigern muß-
ten, während gerade daö beste Mittel der Römer, derartige Verträge
zu Stande zu bringen, die Sklaven, fortgefallen waren. Noch schlim-
Krit. Zeitschrift für gesamrme Rcchlsw. Ul. Bd.

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