Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

456 Kunhe: Die Obligation und die Singularsueccssion.
Unbestimmtheit der eigenen Definition ficht ihn nicht an. Er geht
nunmehr zu der Definition der Handlung als Object der Obligation
über. „Eine solche Handlung entbehrt der leiblichen Individualität
„ .... fie wird begrifflich künstlich ausgeschieden aus der unbc-
„grcnzten Stoff bietenden Freihcttssphäre des zum Schuldner designir-
„ten Individuums. Die Handlung hat also nicht reelle Selbst-
„ständigkeit der Existenz, sondern ruht in der Thal ungeschieden keim-
„arttg in dem Stoffe, welcher die Freiheitssphäre des menschlichen
«Individuums ausfüllt. Es ist eine rein geistige Operation, welche
„einen Theil dieses Stoffes in dem geschlossenen Bilde „einer Hand-
lung" heraushebt, ... diese Handlung künstlich firirt, tndividualisirt
„und so sie als Object qualificirt. Dieser Ausscheidungs-
„proceß nun bewegt sich in dem juristischen Rahmen der obligatio:
„dieser zu einer selbstständigen civilistischen Gestalt, geformten Per-
„sonen oder Vermögensvcrknüpfung. Nur innerhalb dieses Rahmens
„existirt die Handlung als concretes Wesen ... ihre Existenz wird
„aufgehoben, wenn jener Rahmen gelost wird." Dieses ideale Object
der Obligation, die nur im Rahmen der Obligation, und auch da
nur begreiflich existirende Handlung, ist unserem Vers, natürlich etwas
Unübertragbares, im Gegensatz zu den Objecten der dinglichen Rechte,
den übertragbaren Sachen. Und da nun Singularsucceffion Ucber-
tragung des Rechtsobjects ist, so schließt er:
„um der Unübertragbarkeit des Objectes willen ist
„eineSingularsuccession in Obligationen undenkbar.
Das ist die Formel."
Daß man die Singularsucceffion nicht schlechthin als Uebcr-
tragung eines körperlichen Objectes, der rs8 selber definiren darf, ist
schon erinnert worden. Man läuft sonst Gefahr, auch das lurtum
alö Art der Singularsucceffion gelten lassen zu müssen. Doch wollen
wir dem Verf. zugebcn, daß Identität des Rechtsvbjects zu den noth-
wendigen Bedingungen der Singularsucceffion gehört. Nicht zuzu-
geben aber ist, daß die Obligation ein Recht an etwas nicht Realem,
nur in der Idee Bestehendem sei. Ein solches Recht an einem Phan-
tasiegebilde ist selber nur ein Phantasiegebilde. Was hilft dem Gläu-
biger seine Macht über etwaö gar nicht Vorhandenes, auch nie in
die Wirklichkeit Eintretendes, nur in den Gedanken Eristirendes? Was
ein Schluß wcrth ist der auf solche Prämissen gebaut ist bedarf der
näheren Beleuchtung nicht.

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