Full text: Volume (Bd. 3 (1856))

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Kuntze: Die Obligation und die Singnlarsuccesston.

cs gemeint ist. Auch der Verf. läßt sich in der Identität des Rechts-
objects, auf die er freilich besonderes Gewicht legt, für den Begriff
der Stngularsucceffion nicht genügen. Er fordert überdies, daß das
Recht des Nachfolgers von dem des Vorgängers, dem Bestände, dem
Umfange und der Qualität nach abhängig sei, und Unmittelbarkeit
des Zeitanschluffes, so daß das Recht des Einen gerade in dem Augen-
blick erlischt, wo das deS Andern anhebt. Kurzum, er denkt sich die
Singularsuccession im wesentlichen ebenso wie Andere sich dieselbe
denken, und eifert nur dagegen, daß man das so gedachte als Ueber-
tragung des Rechts zu bezeichnen Pflege. Diese „Rechtsformel" an-
zugreisen, fühlt unser Verf. sich verpflichtet. Und zwar warum?
Weil Rechte überhaupt unübertragcn seien. „Wenn wir die Uebcr-
„tragbarkeit eines Rechtsverhältnisses, eines Rechtes, — die Möglich-
„keit des Hindurchgehenö eines Rechtes durch wahre Subjecte an-
„nehmen: wie vermögen wir da die Persönlichkeit, diese Basis deS
„gesammten RechtsgebäudeS zu conserviren? .... Es scheint mir,
„daß man nicht das Subject in -ibstrneto für eine wesentliche Vor-
„aussetzung des Rechtsverhältnisses erklären darf, wenn man in con-
„creto an einem bestimmten Rechtsverhältniß nicht ein bestimmtes
„Subject für wesentlich halten will. Nimmer kann also das Rechts-
„verhältniß der einen Person wirklich identisch sein mit demjenigen
„der andern, möge auch der thatsächliche und juristische, äußerliche
„und innerliche Zusammenhang noch so eng sein.Im Ver-
„hältniß zu den gegenüberstehenden Personen erlangt der rechtliche
„Charakter des Eigenthums als eines Rechtsverhältnisses seinen lo-
„gischen Abschluß. Dieses Verhältniß nun ist unleugbar ein ande-
„res, je nachdem es an diese oder jene Person, als Etgenthümertn,
„anknüpft; das Rechtsverhältniß des berechtigten A ist nicht dasselbe
„wie dasjenige des B, mag der logische und rechtliche Zusammenhang
„auch noch so eng sein! Die Logik sträubt sich gegen Jdentificirung."
Diese Argumentation erhebt sich nur wenig über eine petitio
principii. Man soll nicht von Nebertragung der Rechte reden, weil
diese unübertragbar sind; sie sind aber unübertragbar, weil Recht
des A immer etwas andres ist als Recht des B, mithin nicht dasselbe
sein kann, was jener ist oder war. Aber daß wirklich das Recht,
das heute dem A zusteht, nicht morgen dem B zustehn kann, also
das Recht des B nicht dasselbe Recht sein kann das früher des A
war, dies war eben zu beweisen. Das zwar ist gewiß, das Recht,

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